Relaxte Tage am Lake Kariba

Da wir beide beschlossen haben, dass Zambia ein extrem cooles Land ist, verspüren wir beide nicht großartig Lust, es zu verlassen.
Mittlerweile steht der Plan für die nächsten 4 Wochen schon halbwegs fest, und es sieht so aus, dass mein ursprünglicher Plan, Great Zimbabwe, eine Ruinenstadt einer alten Hochkultur aus der Eisenzeit zu besichtigen, wohl daran scheitert, dass es ziemlich schwierig bzw. langwierig sein dürfte, dorthin zu kommen – das wird sich also zeitlich leider nicht mehr ausgehen, ich ziehe dann doch Namibia vor.
Also schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe und bleiben noch ein paar Tage länger in Zambia. Da Bobby die Planung in meine Hände legt, hab ich als unser nächstes Ziel den Lake Kariba auserkoren, einen großen See im Süden Zambias. Dieser in den 60er Jahren errichtete Stausee, immerhin vom Stauvolumen her der zweitgrößte weltweit, wird vom Zambesi River gespeist, seines Zeichens Grenzfluss zwischen Zambia und Zimbabwe. Da wir danach nach Livingstone/Victoria Falls (ZIM) weiterfahren wollen, bietet sich als Zielort Sinazongwe an, da es etwas südlich der Main Road schon auf halbem Weg nach Livingstone liegt (ja, auch dieser Ort ist nach dem guten Herrn benannt – da er die Fälle entdeckt hat, sei ihm das an dieser Stelle gegönnt).
Laut Reiseführer müssen wir dafür von Lusaka nach Choma und von dort nach Süden fahren, nach Choma schätze ich also mal knapp 3-4 Stunden Fahrtzeit ein. Nachdem wir uns in Lusaka noch hübsch mit Früchen und Brot eingedeckt haben, suchen wir uns (mittlerweile ist es schon wieder später Vormittag, weil uns das frühe Aufstehen momentan nicht so recht gelingen mag) einen Minibus, der nach Choma fährt. Auch hier setzt sich unser mittlerweile routiniertes Handelgeschick durch, und wir handeln wieder einen Preis aus, der deutlich unter dem eigentlich festgesetzten Normalpreis liegt. Wenn der Schaffner das Geld heimlich einsammeln will, ohne dass es jemand anders sieht, dann weiß man, dass man wieder billiger als jeder andere weggekommen ist!
Dafür zieht sich die Fahrt ewig, ich sitze irgendwo eingekeilt und kann meine Beine nicht mal nach unten stellen, weil dort mein Rucksack, noch viel eingekeilter als ich selbst, liegt. Manchmal kommen mir echt die Tränen, wenn ich sehe, wie hier mit meinem Gepäck umgegangen wird, ich packe den Rucksack schon immer entsprechend, dass nichts kaputtgehen kann, und hoffe immer innbrünstig, dass der gute Deuter die hohen Belastungen aushält (es kommt ja noch dazu, dass hier keiner einen Plan hat, wo man einen schweren Rucksack anfassen kann und wo nicht – da fällt es mir manchmal schwer, ruhig zu bleiben, wenn jemand glaubt, er muss 19 Kilo unbedingt am Raincover anpacken…!)
Irgendwann, nach fast 6 Stunden kommen wir endlich in Choma an. Wir suchen uns erst mal ein Eckchen, um was zu essen, und suchen dann nach einem Bus nach Sinazongwe. Nach so einiger Diskussion mit Taxifahrern stellt sich heraus, dass die Busse wenn überhaupt, dann nur von Batoka, etwa 30km vor Choma fahren. Wir sind also fast eine dreiviertel Stunde in die falsche Richtung gefahren. Nach einigem Überlegen fahren wir also wieder weiter, und in Batoka gelingt es uns schließlich auch, in die nächste Stadt, Sinazeze, ein Shared Taxi zu finden. Da es aber mittlerweile schon dunkel ist, beschließen wir, lieber dort über Nacht zu bleiben, und am nächsten Tag entspannt zum See zu fahren.
In einem günstigen Guesthouse quartieren wir uns ein und gehen noch auf ein (!) Bier in die Stadt, es ist schließlich Samstag, und es ist ziemlich lang her, dass wir abends gemütlich etwas getrunken haben (Katete letzte Woche klammere ich mal bewusst aus!). Gut, dafür treffen wir hier gleich so einige freundliche Leute, die sich uns bei diesem Unterfangen nach und nach anschließen, sodass es letztlich ziemlich spät, dafür aber auch ziemlich lustig wird…!

Am nächsten Tag fahren wir dann die verbleibenden 20km über eine mittlerweile extrem schlechte Straße nach Sinazongwe weiter und wandern von dort zu Fuß Richtung Lake. Ich kenne zumindest den Namen einer Lodge dort, die zwar sehr teuer ist, aber wir haben ja mein Zelt, und zelten ist dann doch um ein vielfaches günstiger. Schon nach wenigen Metern stoppt ein 4WD neben uns, mit einer Frau am Steuer, die uns fragt wo wir hinwollen. Es stellt sich heraus, dass sie die Besitzerin des Intale Camps ist, dass es hier seit kurzem ebenfalls gibt, und da wir einheimische Plätze immer vorziehen (und ausserdem nicht zu Fuß laufen müssen) campen wir eben dort.

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Der Platz entpuppt sich als Volltreffer. Das Campsite ist immer noch im Bau (aber bereits weit fortgeschritten und sehr gemütlich), es gehört Bertha, einer Zambierin und ihrem Mann, einem Südafrikaner, wobei Bertha diejenige ist, die das Camp führt. Gemeinsam mit ihrem 4jährigen Sohn Pete leben sie in einem kleinen Haus, das nahe am See dort steht, und da sonst keine anderen Gäste anwesend sind aktuell, fühlt sich das meist mehr an als sei man bei dieser Familie zu Gast, als x-beliebige zahlende Kundschaft. Für uns wird extra noch eine Stromleitung neben unser Zelt gezogen, dass wir Kamera/Handy/Laptop laden können, und auch sonst wird uns jeder Wunsch von den Augen abgelesen, man fühlt sich sofort wohl und zu Hause. Insbesondere Berta ist für einen Plausch immer zu haben, und uns gefällt es hier so gut, dass wir spontan noch länger bleiben wollen.
Falls ich meinen Traum, irgendwann in den nächsten Jahren auch mal für einige Monate/Jahre in Afrika zu arbeiten, umsetzen werde und dabei zufällig Zambia auswähle, so habe ich jetzt auf jeden Fall die passenden Connections dazu!

Im See selbst kann man leider nicht schwimmen, neben Hippos gibt es dort auch massenhaft Krokodile (auch wenn wir keins zu Gesicht bekommen, das laute Platschen nahe unserem Zelt in der Nacht entpuppt sich als fliegende Fische!), sodass dringend davon abgeraten wird, auch nur den kleinen Zeh in den See zu stecken. Dafür gibts im Camp insgesamt 3 aus Stein gebaute Swimmingpools und einen vollen Kühlschrank, es ist also alles anwesend, um uns einen relaxten Aufenthalt zu ermöglichen. Auch wenn das ganze natürlich etwas teurer als unser übliches Tagespensum ist, wir sind der Meinung, das haben wir uns wieder verdient!

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So verbringen wir die nächsten Tage entspannt am See, bzw. weitgehend im Pool – bei 35 schwülwarmen Grad auch die beste Alternative zum Aufenthalt ausserhalb davon, wo jeder kleinste Schritt normalerweise einen ordentlichen Schweißausbruch nach sich zieht, dem man nur durch ständiges Kleiderbefeuchten im Pool entgegenwirken kann. Aber auch die Slackline kommt mal wieder zum Einsatz, wir toben auch mit Pete über das Areal, der ein ziemlich wilder und dezent hyperaktiver junger Bursche ist. Da er als Muttersprache Englisch spricht, im Gegensatz zu seinen Eltern übrigens, spricht er wahrscheinlich besser Englisch als jeder Einheimische, den ich in den vergangenen Monaten hier in Afrika getroffen habe. Auch mein eigenes Englisch wird immer mehr zu einem Pidgin-Wirrwarr, ich hoff das gibt sich spätestens in Südafrika dann wieder!

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Auch kleine Ausflüge in die Stadt stehen auf dem Programm, um den Aufenthalt hier nicht völlig finanziell aus dem Ruder laufen zu lassen – dort essen wir gelegentlich bzw. kaufen Snacks, damit wir nicht nur im Campsite essen, das zwar an seinem Standard gemessen sehr günstig ist, aber unser Tagesbudget dann trotz Camping doch ordentlich dehnt!

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Abends, wenn der schlanke Mond aufgeht, und die Temperaturen langsam in angenehme Bereiche fallen, genießen wir den tollen sternenklaren Himmel bei einem Lagerfeuer, während der See von hunderten Fischerbooten mit Lichtpunkten überflutet wird, sodass es irgendwie an diese Chinesischen Papierboote erinnert, die mit Kerzen übers Wasser treiben.

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Also im Vergleich zur Lakeview Lodge hier in Sinazongwe, die in jedem Traveller’s Guide zu finden ist, kann ich Intale Fishing Campsite nur wärmstens empfehlen (auch für Nicht-Camper findet sich hier ein hübsches Plätzchen!)

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Da wir allerdings nicht genug Geld mit uns haben, um mehr als einen Tag zu bezahlen, und die nächste Bank in Choma, knapp 100km entfernt ist, müssen wir uns etwas ausdenken. Die Lösung ist, wie so oft hier in Afrika, denkbar einfach und fällt uns einfach in den Schoß. Peter, Berthas Mann, fährt am Mittwoch beruflich nach Livingstone, also lassen wir uns einfach von ihm dorthin kutschieren, sparen uns dezent das Geld für den Bus (immerhin insgesamt auch fast 200 ZKW) und bezahlen den Rest unserer Schuld einfach dort direkt vom ATM heraus. Dadurch, dass sich beim Auschecken so einige unserer Biere auf Berthas Rechnung finden (sie ist uns sehr dankbar, dass wir so viel mit Pete herumgetollt sind, was diesem richtig Spaß gemacht hat), ist diese eh ein gutes Stück geringer als befürchtet. Eine Jederzeit-Einladung fürs nächste Mal haben wir auch :).
Das Leben in Afrika kann einfach so easy sein, und das ist es, was ich hier so liebe!

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