On the road again: 2000 km in Zimbabwe, Botswana, Namibia

Das wird eher ein Kurzupdate als ein richtiger Post, aber ich wollte zumindest etwas schreiben, nicht dass ich beim nächsten Post plötzlich 2000 km weiter westlich auftauche…
Ich habe ja schon erwähnt, dass ich Victoria Falls gar nicht schnell genug verlassen konnte. Im Nachhinein bin ich mir auch nicht mehr ganz sicher, was mich dazu veranlasst hat, erstmal 500 km durch Zimbabwe per Bus nach Bulawayo zu fahren. Eigentlich wäre die Strecke mit dem Zug geplant gewesen, wegen des Zuges selbst. Nachdem der kurzzeitig nicht läuft, aufgrund einem anderen entgleisten Zug (anscheinend läuft er mittlerweile sogar wieder, ich hatte also einfach irrsinniges Pech, genau in dem kurzen Zeitfenster fahren zu wollen), hab ich mich für den Nachtbus entschieden, der ähnlich günstig ist, nachdem das immer noch deutlich günstiger ist, als von Victoria Falls direkt zur Grenze nach Botswana (ca. 20km) zu fahren.
Abgesehen davon, dass mein Sitz sich unendlich weit nach hinten lehnen lässt (und das von selbst bei jedem Schlagloch), nerve ich nicht nur meinen Hintermann, sondern dadurch dass er den Sitz immer wieder nach vorne schiebt, kann ich auch nicht gut schlafen… loose-loose-Situation quasi!
Früh morgens in Bulawayo angekommen, bin ich erst mal guter Dinge und beschließe, gleich mal den nächsten Bus nach Francistown in Botswana zu nehmen, weils nur 2 Stunden sind, und ich mein Frühstück dann zur perfekten Frühstückszeit dort haben kann.
Hui, schwerer Fehler, ich hab meine Rechnung ohne die Botswanischen Grenzer gemacht. Geschlagene 3 Stunden warte ich an der Grenze, ohne eigentlich zu wissen warum. Es geht einfach unendlich langsam, und die Brotzeitpause der Grenzer hilft auch nicht wirklich weiter. Auch der nette Plausch mit dem Ebola-Health-Worker, der die wichtige Aufgabe des Ebola-Screenings (ein kurzer Blick – und der Stempel auf den Healthpass – sehr effektiv!) übernommen hat, kann mich nicht von meinem knurrenden Magen ablenken.
In Francistown gönne ich mir folglich erstmal ein Mittagessen, es ist schon 1 Uhr (eigentlich wollte ich um 10 hier sein).
Danach finde ich sogar einen Bus nach Maun, das eigentlich erst für morgen geplant war. Mit der Aussicht auf einen kompletten Ruhetag am folgenden Tag steige ich dort ein und schlafe eh fast sofort ein.
Die Busfahrt zieht sich trotzdem, aber gegen 8 Uhr bin ich endlich im Maun, im Norden Botswanas, direkt im Okavonga Delta gelegen. Eigentlich habe ich mir dort überlegt, eine Tagstour mit einem dieser traditionellen Kanus (mokoro) zu machen, aber der Preis und die Empfehlung von zwei anderen Backpackern halten mich davon ab. Derartige Paddeltouren hab ich schon öfters gemacht, und da es anscheinend meistens nicht mal Tiere zu sehen gibt, ist der hohe Preis echt nicht zu rechtfertigen!

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So relaxe ich den ganzen Tag, und verbringe die Zeit mit relaxten Plauschen mit verschiedenen Leuten. Mick und Tanya aus Australien, die sich auf einer 3jährigen Motorrad-Weltreise befinden. Åsa aus Schweden, die mit einer Freundin mit einem Range-Rover durch das südliche Afrika tourt. Nachdem das Backpackers bei meiner Ankunft voll mit Overlandern war, und ich schon den Platz für eine Fehlentscheidung gehalten hab, gefällt es mir nun doch richtig gut dort. Eigentlich überlege ich, noch einen Tag dranzuhängen, aber es zieht mich unaufhaltsam nach Namibia!
Und dann war da noch die Sache mit dem Handy. Abends sitze ich mit Åsa noch lange ratschend am Pool, bis ich irgendwann ins Bett gehe. Am nächsten Morgen ist mein Handy kaputt. Es ist mir völlig schleierhaft, was passiert ist, abends lief es noch, und jetzt morgens ist das Displayglas völlig zersplittert, und was noch viel schlimmer ist, der Display hat was abbekommen und weist einen fetten Blankspot auf. Und das schlimmste: der Touchscreen funktioniert nicht mehr, damit ist das Ding manövrierunfähig und ohne ein neues Display nicht mehr benutzbar. Ich kann mich nicht erinnern, aus dem 10. Stock gesprungen zu sein, aber die Indizien sprechen dafür! Ich bin ratlos, ich hab es nicht mal fallen gelassen, es lag einfach nur neben mir, und plötzlich sieht es aus, als sei das Display explodiert! Ich könnte heulen! Obwohl schon zwei Jahre alt, das Teil war super und ich hatte nie an einen Neukauf gedacht. Meine letzte Hoffnung ist, es in Cape Town reparieren zu lassen, aber auch diesbezüglich habe ich Zweifel. Das Nexus 4 ist in Afrika so gut wie nie verkauft worden, ein Ersatzdisplay dürfte kaum zu finden sein!
Wenigstens hab ich mein altes Handy als Ersatz mitgenommen. Auch wenn das gute Teil so gut wie gar nicht funktioniert, so ist es zumindest besser als nix!
Am nächsten Tag, nachdem ich von Åsa und ihrer Freundin Lindsey noch ein tolles Frühstück spendiert bekommen habe, gehts dann weiter. Angeblich geht von Maun ein Direktbus nach Charles Hill, an die Grenze zu Namibia. Um Haaresbreite erwische ich den noch, beinahe wäre er mir weggefahren. Dafür muss ich erst mal 3 Stunden stehen, weil ich der allerletzte im Bus bin…

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Früher als erwartet, gegen 7 Uhr abends komme ich in Charles Hill an. Im Backpackers wurde mir eine Lodge empfohlen, die zwar extrem teuer ist, aber auch einen Campingplatz hat, der die normalen Gebühren verlangt. Da ich der einzige Camper bin (nicht gerade Saison 🙂 ) und die Aussentoiletten kein warmes Wasser haben, bekomme ich kurzerhand einen Schlüssel für einen der Bungalows zum Duschen und für die Toiletten – das ist echt Luxus pur. Abends gibt die Regenzeit mal ein ordentliches Lebenszeichen von sich, und setzt das halbe Areal unter Wasser, aber im Laufe der Nacht hört der Regen langsam auf. Auf dem dichten Gras schlafe ich wie ein Stein, so gut wie lange nicht mehr!
Zumindest bis irgendwann gegen 3, als ich ein seltsames Geräusch am Zelt höre. Zuerst denke ich an ein größeres Tier, aber das kann im umzäunten Areal eigentlich nicht sein. Ausserdem kommen die Geräusche von unter dem Zelt. Schon sehe ich auch die Bewegung:
Eigentlich kanns nur zwei Dinge sein: Maus oder Schlange. Ich habe Angst vor der Maus, ich sehe sie sich schon durchs Zelt nagen. Und ich hab Essen im Rucksack. So verlasse ich fluchtartig das Zelt und bringe mein Essen im Bungalow in Sicherheit! Erst danach untersuche ich das ganze näher. Nach langem unters-Zelt-leuchten gebe ich auf. Wird wohl weg sein!
Keine 5 Minuten später geht das schon wieder los! Ich versperre dem Ding den Weg und scheuche es so unter dem Zelt heraus, Stück für Stück. Des Rätsels Lösung ist eine sicher 6-7cm große Kakerlake, die sich im dichten Gras sichtlich wohl fühlt! Guten Flug!
Den Weg muss sie erst mal zurückfinden 🙂
Am nächsten Tag mache ich mich morgens bequem erstmal auf zur Grenze nach Namibia, weniger als 2 km entfernt, und überquere diese ohne größere Umstände.
Gleich fällt der Unterschied zu Botswana auf (das selbst schon nicht mehr wirklich wie Afrika wirkt):
Viel mehr weiße Einheimische, eine westliche Auswahl im Supermarkt (und überhaupt: Ein Supermarkt an der Grenze!!) und sogar ein ATM.
Das lustige an Namibia ist, dass, weil der Namibian Dollar ja an den South Africa Rand gekoppelt ist, dass man völlig wirr diese Währungen als Wechselgeld und sogar aus dem ATM bekommt. (Da ich nicht weiß, ob der N$ in Südafrika akzeptiert wird, hebe ich mir den Rand mal lieber auf und verbrauche lieber die Dollar stattdessen).
Eine Eis-Pause und eine neue Simcard später mache ich mich dann auf die Suche nach einem Transport nach Windhoek. Eigentlich hätte ich damit gerechnet, dass es hier wie immer Busse gibt, aber mit der Einsamkeit und Abgelegenheit der Namibischen Wüste hab ich halt nicht gerechnet. So ist halt wieder Trampen angesagt. Das ist in Namibia zum Glück furchtbar einfach und keine 5 Minuten später sitze ich schon in einem botswanischen Truck nach Windhoek. Perfekt. Der Fahrer ist ein cooler Typ in meinem Alter und ausserdem nüchtern: es gibt also noch Zeichen und Wunder in Afrika!!
Wir vertreiben uns die Zeit mit Gesprächen über Afrika und Europa, schnellen Turnübungen („Cops!!! Fast, the seatbelt!!) und fotografieren der kargen, zunehmend hügeligen Landschaft („You have to take a photo here!“ „But I took about 50 already, even 2 would be enough!!“)

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Die Fahrt dauert mit dem Truck zwar deutlich länger als mit einem Bus, aber ich war ja früh dran, deshalb komme ich noch immer am frühen Nachmittag in Windhoek an. 
Die kurze Fahrt mit dem Shared Taxi durch Windhoek gibt mir erstmal den ultimatischen Clash of cultures!! Ich habe das Gefühl, dass mein Afrika-Trip hier vorbei ist, das fühlt sich nicht mehr an wie Afrika. Irgendwie finde ich das nicht richtig schön, auch wenn es gute Seiten gibt, wie etwa das entspannte Wandern auf der Straße…!
Mein Handy kann hier leider niemand reparieren, ausser Samsung und iPhone wird hier nix angenommen, und ein neues Handy kommt für mich nicht in Frage…!
Ansonsten besorge ich erstmal Essen und hänge Notizen für einen gemeinsamen Trip in die Namib-Wüste auf: Da Bobby nicht mehr nach Namibia kommt, hängt mein Plan ziemlich in der Luft, und ich muss erstmal schauen, wie es von hier weitergeht. Möglichkeiten gibts genug, aber der Geldbeutel muss halt auch mitspielen!

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