Immer wenn du glaubst es geht nicht mehr… Sossusvlei, Namib Desert: Der Höhepunkt der Reise

Einmal die Entscheidung gefällt, dass meine Zeit in Namibia anders ablaufen wird als geplant, ergibt sich wieder alles von alleine.
Im Minibus fahre ich nach Swakopmund (es gibt zwar Shuttle-Busse für Backpacker, aber die sind viel teurer als die Minibusse – ob sie dabei bequemer oder schneller sind, wage ich zu bezweifeln) und quartiere mich dort im Skeleton Beach Backpackers ein. Den Tipp hab ich von einem Deutschen im Hostel bekommen, er entpuppt sich als goldrichtig.
Swakopmund ist eine Oase inmitten der Dünenlandschaft, direkt am Meer gelegen, es erinnert irgendwie schwer an Antofagasta/Chile.
Der große Unterschied: Die Stadt ist deutsch. Alles hier ist in Deutsch angeschrieben, die Häuser sehen alle deutsch aus, die Menschen sprechen deutsch. Noch viel extremer als in Windhoek fühlt man sich hier wie in einem deutschen Enklave. Allerdings gibts hier im Vergleich zu Windhoek keine hohen Mauern (zumindest nicht so oft), es ist viel eher die deutsche Vorgartenromantik die man hier zu Gesicht bekommt. Den Atlantik inkl. riesiger Wellen gibts hier auch noch obendrauf – sein Wasser ist jedoch eiskalt und eher nicht zum Schwimmen gedacht (das Wasser hier kommt von einem großen Strom direkt aus der Antarktis) und auch das Klima ist insbesondere in Swakopmund trotz der Wüstenlandschaft ganz anders, nämlich windig und kalt (ca. 15 Grad, während man nur 10 km landeinwärts schon wieder die 30-Grad-Marke überschreitet).

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Noch während der Fahrt von Windhoek komm ich mit zwei Einheimischen ins Gespräch, insbesondere Maurica, eine Frau Mitte dreissig, ist recht gesprächig im Bus, obwohl ich lieber schlafen würde. Aber aus dem, was ich zunächst aus reiner Höflichkeit antworte, entwickelt sich bald ein angeregtes Gespräch, und so vergeht die Fahrt wie im Flug. Da sie als Fotografin arbeitet, kann sie mir viele Tipps geben, was man in Swakop und Walvis Bay so machen kann, und bietet mir auch an, dass ich sie in Walvis besuchen kann. So hab ich meinen Plan schon beisammen, ich will also am nächsten Tag zu ihr nach Walvis Bay fahren, dort wollen wir gemeinsam die Dünen besichtigen und dann gibt es immer noch genug zu tun dort für ein paar Tage. Bis Dienstag sollte mir also nicht langweilig werden 🙂

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Und dann kommt alles anders!
Abends gehe ich noch einkaufen und koche mal richtig auf. Langsam habe ich mich an die Gegebenheiten Namibias gewöhnt, und lerne auch die guten Seiten des modernen Afrikas zu schätzen. Und so ein ordentliches T-Bone mit allem möglichen Gemüse für 7 Euro findet man dann daheim auch nicht mehr, das muss man also ausnutzen. Abends komm ich noch mit einigen Leuten hier im Hostel (es ist ziemlich leer und ruhig hier, eigentlich sind wir nur zu dritt) ins Gespräch. Eine davon, Loli aus Finnland erzählt mir von ihrer Reise, sie ist von Kenia aus über längere Strecken und mehrere Länder hierher, und würde unbedingt gerne nach Sossusvlei in die Namib-Wüste, ist aber alleine und die Tour ist halt verdammt teuer. Moment mal! Die Geschichte kenn ich doch, des ist ja fast meine eigene!!
Und so fassen wir den Entschluss, dass das unser beider Chance ist, und wir uns zusammentun sollten.
Früh am nächsten Morgen ziehen wir also los, und suchen in Swakopmund nach Leihwagen. Möglichst klein, möglichst günstig, 2WD reicht vollkommen aus.
Leider gibt es in ganz Swakopmund keinen einzigen verfügbaren Wagen mehr. Und so ist der Plan gescheitert. Wie ärgerlich, nachdem mich das nochmal hoffen hat lassen. Loli möchte daraufhin nach Sossusvlei trampen. Mir hat jemand in Windhoek diese Idee auch schon in den Kopf gesetzt, aber aufgrund der langen und schwierigen Strecke hab ich das eigentlich wieder aufgegeben. Nun wären wir also zu zweit, also warum nicht?
Im Supermarkt decke ich mich schnell mit Wasser und Essen für einige Tage ein und dann ziehen wir los. Nach Walvis Bay fahren wir noch mit den Shared Taxi, und dann versuchen wir es einfach. Nachdem wir schnell merken, dass die meisten Autos zum Flughafen fahren, fahren wir irgendwann mal zumindest so weit, damit wir nach der Abzweigung stehen können und nur noch die Autos in die richtige Richtung haben, die wir anhalten können. Aber: es fährt eigentlich kein anderes Auto weiter als zum Flughafen. Hin und wieder hält ein Truck an, aber auch die fahren meist nur bis zu den Minen ein paar Kilometer weiter. Es scheint aussichtslos.

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Frustriert beschließen wir nach einer knappen Stunde (so lange hab ich noch nie auf einen Hitch in Afrika warten müssen), dass das wohl ein sinnloses Unterfangen ist. Wenn überhaupt, dann ist das nur morgens möglich, wenn Touristen diese Strecke fahren. Da können wir auch lieber noch zum Flughafen fahren und dort nach einem Leihwagen fragen. Nicht, dass das nicht die selben Unternehmen wären, aber einen besseren Plan haben wir beide nicht.
Am Flughafen ergibt sich dann doch noch das Wunder. Plötzlich hat Avis einen Wagen, sogar einen Polo Vivo, den kleinsten und günstigsten Wagen. Naja, über günstig kann man sich streiten, denn da Loli nur zwei Tage mieten will, bezahlen wir einen satten Aufpreis, da unter vier Tagen Mietzeit noch keine unlimitierten Kilometer möglich sein, so bezahlen wir letztlich 50 Euro pro Tag!!
Aber es ist immer noch deutlich günstiger als die Touren, und so können wir um 3 Uhr nachmittags endlich Richtung Namib Wüste starten.

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Schon 2 km hinter dem Flughafen wird uns klar, warum das trampen hier nie funktioniert hätte. Schon hier verwandelt sich die einwandfreie Teerstraße in eine breite und bis zum Horizont reichende schnurgrade Sandpiste.
Klar, die fährt keiner nur zum Spaß!
Da Loli sich mit dem Auto nicht so wohl fühlt, übernehme ich (obwohl ich eigentlich mit dem Mietauto nicht fahren darf)!

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Die nächsten 300 km geht es also mit Vollgas über die Sandpiste. Das macht übrigens richtig Spaß, und der kleine Polo macht auch brav und stabil Kilometer. Schon die Fahrt ist beeindruckend, die riesige Wüstenlandschaft ändert sich alle paar Kilometer, von ewig weiten Steppen zu plötzlich zerklüfteten Bergen und Schluchten, ohne dass man weiß, wo die eigentlich hergekommen sind. Dazwischen wieder ausgetrocknete Bäche, Sandwüsten, Hügellandschaften – schon allein das ist sehenswert, und noch sind wir nicht einmal in der Namib-Wüste!

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Kurz vor Sonnenuntergang kommen wir in Sesriem an und fahren erst mal auf den Campingplatz. Hier hat der Polo zum ersten Mal Probleme, aber ich hab ihn auch selten dämlich in den feinen Sand manövriert… Erst mit etwas Schiebehilfe und in einer riesigen Sandwolke bringe ich ihn wieder flott.

Ist schon seltsam dort, so viele Leute sind hier, alle top ausgerüstet, mit Campingstühlen, und BBQs, dass einem das Wasser im Mund zusammen läuft. Wir dagegen haben nur etwas Brot und ich hab noch Wurst und Käse – eher eine karge Mahlzeit, aber wir sind froh, überhaupt hier zu sein!
Da Loli nur einen Schlafsack hat, überlasse ich ihr meine Matratze im Zelt, und schlafe auf dem nackten Zeltboden – dank Sand ganz annehmbar.

Am nächsten Morgen starten wir um 5 Uhr, um rechtzeitig bei Sonnenaufgang in der Wüste zu sein – immerhin 70 km entfernt. Der Sonnenaufgang in den Namib-Dünen ist besonders beeindruckend, denn der rote Sand ändert seine Farbe je nach Sonneneinstrahlung. Was unter Tags schon beeindruckend ist, passiert bei Sonnenaufgang im Minutentakt, sodass direkt nach Sonnenaufgang die Wüste ständig ihr Gesicht ändert und ständig in anderen Farben erstrahlt.
An der Dune 45, einer der am leichtest zugänglichen Dünen entlang der Straße parken wir dann das Auto und machen uns dann an den Aufstieg. Es ist quasi unmöglich, das mit Worten zu beschreiben, wenn selbst die Kamera diese Stimmung kaum richtig einfangen kann… Dennoch lasse ich hier lieber mal Fotos sprechen!

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Danach fahren wir noch die verbleibenden 15km bis zum 2WD Parkplatz weiter. Ab hier ist ohne 4×4 Geländewagen kein Weiterkommen mehr. Auch wenn man auch zu Fuß gehen könnte, entscheiden wir uns heute mal für den Shuttle, der uns die letzten 5 km bis zum Sossusvlei bringt.
Dabei handelt es sich um eine große Fläche aus Sand und Ton („Vlei“), die nur nach großen Regenfällen Wasser führt. Um die Namenskunde perfekt zu machen: Sossus bedeutet so viel wie „blind endend“: der Sossus River, der aus den landeinwärts liegenden Naukluft-Mountains entspringt und auch nur nach schweren Regenfällen Wasser führt, versickert hier in der Wüste auf seiner Suche nach dem Atlantik, den er leider nie erreicht. Armer Fluss.

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Hier gibt es noch einige andere Vleis, unter anderem auch die Dead Vlei, in der tote Bäume stehen, während in den anderen Vleis durchaus auch grün zu finden ist. Direkt hier befindet sich auch die höchste Düne in diesem Gebiet hier, immerhin über 300 Meter hoch. Also muss die gleich mal bestiegen werden, und warum den kurzen Weg wählen, wenn man auch den langen nehmen kann. Man muss sich hier 300 Meter über die Düne ungefähr so wie 1000 Höhenmeter in den Alpen vorstellen. Man rutscht ständig wieder zurück, kann kaum richtig gehen und überhaupt, ich wusste gar nicht, wie viel Sand in meinen Schuhen Platz findet! Barfuß gehen ist leider keine Alternative, denn mittlerweile ist der Sand so heiß, dass man ihn nach Möglichkeit mit nichts anderem als den Schuhsohlen berührt.

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Auf dem Weg nach oben begegnet uns noch der eine oder andere kleine Lizard, die alle sofort vor uns Reißaus nehmen und sich im Sand vergraben. Naja, würde ich bei der Hitze auch nicht anders machen.
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Mein Camelpak ist schon fast leer, die 3,5 Liter sind hier nur ein Tropfen auf dem heißen Stein… Nach fast 1,5 Stunden Aufstieg sind wir endlich am Gipfel (oder sagt man bei Dünen Spitze??) angelangt, und werden mit einem gigantischen Ausblick über die Wüste belohnt.

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Nach einem mehr als notwendigen Frühstück (Toast mit Erdnussbutter und Sand) gehts an den Abstieg. Abstieg ist vielleicht das falsche Wort. Man rennt einfach so schnell wie möglich bergab und versucht, dabei möglichst lange nicht auf die Schnauze zu fallen (gelingt eh nicht auf Dauer). Schon schräg, man steigt 90 Minuten auf die blöde Düne, aber in 60 Sekunden ist man wieder unten…

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Nach einem etwas verschlungenen Spaziergang über die Vleis fahren wir schließlich wieder zurück nach Sesriem.
Dort, als ich unser Campsite bezahlen will, erzählt man uns plötzlich, dass es teurer ist, und vor allem, dass wir pro Nacht auch noch Parkgebühren bezahlen müssen, weil es knapp innerhalb der Parktore liegt. Gut, aber dann bleiben wir die zweite Nacht nicht hier, da wir ja schon im Park waren, können wir auch überall sonst schlafen.
So machen wir uns auf den Weg ins 80 km entfernte Solitaire, einer laut Karte kleinen Stadt, die eigentlich nur aus einer Tankstelle, einer teuren Lodge, einem (ebenso teuren) Restaurant und einer Bäckerei besteht. Das ganze ist ein wenig im Wild-West Style aufgebaut, so kleine liebevolle Details finden sich an jeder Ecke.
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Hier werden wir fündig auf der Suche nach einem Camp. Das ist mal wieder das geniale am Zelten. Denn wie immer in Afrika kann man in den Lodges irgendwo zelten, es kostet genauso viel wie überall sonst in den Campsites, aber man kann alle Einrichtungen mitbenutzen. Und hier gibt es einen Swimmingpool!!

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So verbringen wir sowohl den späten Nachmittag, als auch den folgenden Morgen vorrangig im Pool…

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Sonntag vormittag geht es dann wieder Richtung Walvis, immerhin haben wir noch knapp 250km vor uns. Etwas früher als erwartet können wir dann schließlich unbeschadet und vollgetankt das Auto zurückgeben.
Ich hab mich dazu entschlossen, Montag noch in Swakopmund zu bleiben (mir gefällts im Hostel wirklich ausgesprochen gut) und dann mit dem Nachtzug nach Windhoek zurückzufahren. Dienstag nachmittag geht dann mein Flug nach Cape Town.
Letztlich hab ich meinen Frieden mit Namibia gemacht, ich bin froh dass ich es doch noch in die Namib Wüste geschafft habe, und es ist für mich auf jeden Fall der Höhepunkt des Trips, vor allem wenn ich die Fotos durchsehe! Namibia hat noch viel mehr zu bieten, aber ich glaube dass ich nicht das letzte Mal hier war…
So freue ich mich dann auf Südafrika, das Wiedersehen mit Neil und Cass und die letzten knapp 2 Wochen der Reise.

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