Cape Town, South Africa: Wo die Afrika-Reise endet und der Trip erst richtig beginnt!

Für die meisten Backpacker/Overlander, die ähnliche Trips wie ich machen, ist Cape Town der Schlusspunkt der Reise. Für mich jedoch ist Cape Town der Auftakt zu den letzten zwei Wochen – Eine kleine Änderung der Grundphilosophie der Reise und eine ziemlich radikale Änderung der Begleitumstände ergeben eine völlig andere Reiseerfahrung.
Einer der Gründe dafür sind Neil und Cass, meine Travelmates in Südamerika, die seit einigen Wochen hier in Cape Town einen Kurs absolvieren, um als Crew auf Luxusyachts arbeiten zu können.
Schon vor einigen Monaten, als ich die beiden während ihres Besuchs in Italien besucht habe, haben wir einen groben Plan für Südafrika entworfen, und Neil hat den weiterentwickelt und mich eingeladen, diese Vision eines Trips Wirklichkeit werden zu lassen!

Eigentlich war geplant, dass ich die ersten Tage in Cape Town in einem Hostel unterkomme, da die beiden zwar eine Unterkunft in der Nähe der City haben, aber das über ihren Kurs läuft. Anscheinend hat Alison, die Dame die den Kurs leitet, nichts gegen einen zusätzlichen Bewohner, deswegen holt mich Neil vom Flughafen ab und bringt mich direkt nach Gordon’s Bay, einem der typischen reichen Strandsuburbs von Cape Town.
Mein offensichtlich ziemlich schlechter Einfluss auf Verkehrsmittel hat mir die vorherigen Stunden schon ordentlich Stress beschert. Ich wollte immer schon mit einem afrikanischen Zug fahren, und der Nachtzug von Swakopmund nach Windhoek bietet sich daher nicht nur finanziell an. Jetzt weiß ich, warum in Afrika keiner freiwillig mit dem Zug fährt. Wenn es nur die nervenzermalmende Schrittgeschwindigkeit des Zuges wäre, dann wäre es ja noch ok. Aber wie bitte kann man vergessen, beide Loks ordnungsgemäß zu betanken. Nachdem wir eh schon Stunden Verspätung haben, bleibt die Lok gegen Mittag dann 120 km vor Windhoek stehen. Ohne Diesel geht halt nix mehr! Es muss ein Techniker von Windhoek her kommen, der eine Verbindung zwischen den Loks legt, damit auch Lok #2 wieder mit Diesel versorgt wird… Wenigstens werden im Anschluss daran die Güterwaggons abgedockt, damit wir so schnell wie möglich (3 Stunden später) in Windhoek ankommen. Geplant wäre die Ankunft um 7 Uhr morgens gewesen, letztlich kommen wir um 4 Uhr nachmittags an. Ich schwitze Blut und Wasser, schließlich geht mein Flug von Windhoek nach Cape um 6 Uhr… Der finanzielle Vorteil des Zuges muss dann in ein Express-Taxi investiert werden! Schöne Erfahrung so ein Zug, jetzt werde ich jedenfalls alle Kapriolen der Deutschen Bahn für immer stoisch ertragen!
Endlich im Flugzeug sitzend, kommt Problem Nummer 2: Das Flugzeug hat technische Probleme und kann vorerst nicht starten!
An dieser Stelle vielen vielen Dank an Michael, den südafrikanischen Architekten, der mir hilft, Neil und Cass zu informieren, und mir ein Bier nach dem anderen spendiert und mit mir die Zeit verratscht, bis wir schließlich doch noch an Bord können und Richtung Cape Town starten! Thanks!!

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Blick über Cape Town im Landeanflug: Lion's Head (re) und Table Mountain (mittig, in den Wolken)

Die ersten Tage verbringe ich vorrangig in Gordon’s Bay, wo Neil und Cass gemeinsam mit 4 anderen Mädls aus dem Kurs ein kleines Haus bewohnen.
Zum Kurs sei gesagt, das dieser die Aufgaben eines Yacht-Steward unterrichtet, und diese sind sehr vielfältig. Von Putzen übers Bedienen ist auch Kochen und Servieren ein großer Bestandteil des Kurses. Und da Alison mich anscheinend ganz gern mag und immer wieder auch zu diversen Teilen des Kurses dazukommen lässt, kann ich hier der große Nutznießer sein. Ja, auch das mixen von Cocktails gehört dazu, und irgendwer muss die hinterher auch trinken. Dieser entspannte Nachmittag, den ich auf der Terasse von Alisons Villa verbringe, und die ganzen Cocktails trinken darf, während ich den Ausblick über die ganze Bucht und die Cape Peninsula habe, ist auf jeden Fall einer der entspanntesten der Reise!

Erstes großes Highlight ist schon am Mittwoch abend. Neil hat uns Tickets für das Foo Fighters Konzert in der Cape Town Arena besorgt, gemeinsam mit 30-40.000 anderen Menschen werden wir Zeugen des ersten Foo Fighters Konzerts in Südafrika aller Zeiten. Hammer Show, 3,5 Stunden am Stück rocken die Jungs die Bühne mit ihren größten Hits!! (Achja, und das Bier kostet R25 – bei dem momentanen Absturz des Rand sind das ungefähr 1,80 Euro, für eine ordentliche Halbe, da kann man sich nicht beschweren!)

Donnerstag verbringe ich folglich erstmal entspannt am Strand und versuche, den versäumten Schlaf nachzuholen! Abends bin ich zu einem Dinner mit dem Stew-Kurs eingeladen, das Alison in der Villa eines ihrer Freunde veranstaltet. Leider hab ich die Kamera nicht dabei, die Aussicht über Cape und die Bucht sowie das Haus an sich sind der Hammer. Ein richtig cooler Abend, bei dem ich so einige Leute kennenlerne, und der mit einem Mitternachtsbaden im Panoramapool perfekt beendet wird! Südafrika ist für mich voller Highlights!
Neil, der mich bei jeder Gelegenheit als seinen persönlichen Doktor vorstellt (nicht übertrieben angesichts so mancher Vorkommnisse in Südamerika und auch in den Tagen, seit wir uns hier wieder getroffen haben, scheint er sich an allem zu verletzen, was seinen Weg kreuzt), darf hier auch mal ganz getrost als mein persönlicher Barkeeper vorgestellt werden – zumindest hat er es sich offensichtlich an diesem Abend zur Aufgabe gemacht, dass ich immer ein Glas, aber nie ein leeres in Händen halte…!

Freitag, während Neil und Cass ihren Kurs haben, will ich ein bisschen in den Bergen wandern gehen. Der Bereich südlich von Gordon’s Bay nennt sich „Whale Coast“ – man kann die Tierchen also hin und wieder dort sehen, ein bisschen Glück vorausgesetzt. Eigentlich möchte ich das tolle Wetter ausnutzen und bis zu einem der Berggipfel nahe des Steelenbras Staudammes wandern. Leider ist Südafrika aber doch noch deutlich anders als Europa. Ich finde keinen einzigen Pfad nach oben, nur die Straße, und der Damm selbst und sein See sind absolutes Sperrgebiet – die Freiheit, hinzuwandern wo immer man möchte, hat man hier also leider nicht wie zu Hause!

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Dennoch hat man auch von einem Platz etwas unterhalb des Dammes einen tollen Ausblick über die Bucht! Nur Wale wollen sich leider keine zeigen an diesem Nachmittag!
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Abends bedanke ich mich noch bei Alison mit einer Flasche Wein (spätestens jetzt ist klar, dass ich für die Unterkunft der vergangenen Tage nichts bezahlen muss 🙂 ) und wir fahren gemeinsam zur Wohnung von Neils Cousine in Table View (jeder kann sich ausmalen, warum dieses Viertel so heißt!), wo wir bis Anfang nächster Woche unterkommen können.
Südafrika ist schon ein einzigartiges Land! Irgendwo zwischen den starken europäischen Einflüssen findet man immer wieder etwas, das einen wieder daran erinnert, dass man immer noch in Afrika ist (Bestechung und Korruption, Armut, Verkehrsmittel,… es gibt viele Beispiele!). Dennoch ist es nicht dieses gefährliche Land, vor dem ich monatelang von jedem gewarnt wurde! Sicher, dieses Land hat neben seinem Reichtum auch so einige Probleme, und Kriminalität ist sicher ein großes davon. Davon zeugen die immens riesigen Townships von Cape Town, hunderte Quadratkilometer von Plastik-, Holz und Wellblechhütten und eine deutlich sichtbare Rassenproblematik! Auch wenn die Apartheid der Vergangenheit angehört, so ist doch unübersehbar, dass der Reichtum sehr ungleich verteilt ist, und quasi alle einfachen Jobs von Farbigen (diese Unterscheidung muss man in Südafrika machen, zwischen den Farbigen (den eigentlichen Ureinwohnern Südafrikas) und den Schwarzen (aus den anderen Ländern Afrikas stammend)) sowie die miesen Jobs von Schwarzen ausgeübt werden. Klar, es gibt dutzende Ausnahmen, aber dennoch lässt einen trotz des tollen Landes an sich nie das Gefühl los, dass hier nachwievor ein ungelöstes Rassenproblem schwelt: Wenn selbst in den reichen und bewachten Suburbs kein Haus ohne vergittererte Fenster und Terassenverglasungen und Mauern mit Elektrozäunen auskommt, dann läuft hier etwas verkehrt…!
Dennoch muss ich sagen, dass ich mich seit Tagen hier völlig frei bewege, und nie auch nur ein einziges Mal das Gefühl hatte, nicht sicher zu sein!
Sowohl in den Vororten, als auch in Cape Town selbst (in den offensichtlich unsicheren Gegenden wie etwa den Townships habe ich mich natürlich nicht aufgehalten!)
Interessanterweise ist auch der Grundtenor aller Leute hier der gleiche: Südafrika ist ein tolles Land, wenn man Geld hat, aber wenn man sich hier etwas aufbauen will als Südafrikaner, dann ist das sehr sehr schwierig! Übrigens alle reicheren Südafrikaner, die ich hier getroffen habe, haben einen Pass eines anderen Landes.
Man braucht sich nur mal den South African Rand als Beispiel anschauen. Die Währung Südafrikas befindet sich seit Jahren auf einer beispielslosen Achterbahnfahrt im 50-Prozent-Bereich… Momentan ist sie mal wieder auf einer ordentlichen Talfahrt, während 1 Euro im Oktober knapp 12 Rand kostete, steht er momentan bei 14,5 Rand (das sind also über 20 Prozent Verlust!) und wird täglich mehr…! Was für mich als Europäischer Urlauber natürlich von Vorteil ist, muss für die Wirtschaft Südafrikas eine Katastrophe sein!

Für mich ist dieser Trip hier das beste Beispiel für „affordable luxory!“ (der Slogan des südafrikanischen Tourismusverbandes)
Man kann hier einen tollen Urlaub verbringen, wo man für so einige besondere Sachen auch mal etwas mehr Geld hinlegt (siehe Wein), ohne sein Budget zu sprengen! Das ist der größte Unterschied zu den anderen afrikanischen Ländern meines Trips. Dort gab es entweder sehr billig oder sehr teuer, in Südafrika dagegen ist offensichtlich nichts richtig billig, aber auch dafür alle Preise nachvollziehbar und bezahlbar. Folglich gebe ich hier insgesamt deutlich mehr Geld aus, bekomme dafür auch deutlich mehr 🙂
Wie Neil zu sagen pflegt: „Fair enough!“

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Am Samstag steht ein Ausflug ins Umland von Cape Town auf dem Programm.
Zuerst fahren wir nach Stellenbosch, die wohl bekannteste Studentenstadt Südafrikas, etwa 50km von Cape Town entfernt. Unser Ziel ist jedoch nicht die Stadt selbst, sondern die umliegenden Winelands. Südafrika ist, anders als sein Ruf, die Herkunft einiger der besten Weine der Welt, Wein aus Südafrika kann locker mit jedem anderen Weinland mithalten.

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Über den Kurs haben die beiden uns ein kostenloses Wein-Tasting mit der Chefin des Anwesens organisiert. Für mich ist das das erste richtige Weintasting überhaupt, bisher hat mir das auch noch niemand erklärt, wie man Wein überhaupt richtig verkostet. Es ist auf jeden Fall ein tolles (und sehr lustiges) Erlebnis, auch wenn die beiden definitiv deutlich mehr Ahnung von gutem Wein haben als ich (zumindest mein Schlussfazit stimmt jedoch mit ihrem überein, so ahnungslos kann ich also nicht sein!). Sehr interessant, dieser Ausflug in die Welt der Weine (bisher gingen meine Erfahrung ja nie über Weine hinaus, die bei Aldi weniger als 3 Euro pro Flasche kosten), ich hätte es ja vorher nie für möglich gehalten, aber ein Wein, der 80 Euro pro Flasche kostet, ist durchaus ein Genuß, der diesen Preis eventuell rechtfertigen könnte…!

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Anschließend umfahren wir auf dem Weg zurück nach Cape Town die gesamt Halbinsel inkl. dem berüchtigten Cape of good Hope (Kap der guten Hoffnung).
Neben Bergen und gemütlichen Fischerstädtchen, tollen Buchten mit Robben (an manchen Tagen wohl auch Haien) und genialen Surfstränden werde ich Zeuge eines gigantischen Sonnenuntergangs!

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Hier noch der Beweis, warum Tableview diesen Namen trägt:

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Am Montag haben Cass und Neil ihren letzten Kurs – Zeit für mich, mir mal die Berge rund um Cape Town näher anzusehen. Die beiden setzen mich morgens in der Stadt ab, von wo aus ich zuerst Lion’s Head besteige und anschließend (nicht ohne vorher ausgiebig zu frühstücken) mich an den Table Mountain mache.

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An diesem Tag ist es extrem windig (nicht, dass es in Cape Town nicht jeden Tag wie verrückt blasen würde, aber heute ist es offensichtlich besonders heftig), so dass die Seilbahn geschlossen bleibt. Neil hat mir einen besonders beeindruckenden Pfad empfohlen, den ich auf dem Weg nach oben nehmen soll. Er führt direkt die Seilbahnrinne hoch und wäre in Österreich längst nicht mehr als Pfad, sondern als Klettersteig mit Sicherungen ausgeschrieben: Schwindelfreiheit und Trittsicherheit definitiv von Vorteil.

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Dafür wird man mit einem richtig coolen Blick über die Stadt belohnt, während man ziemlich flott Höhe macht. Oben auf dem Tafelberg befindet sich der Table Mountain National Park, der über das gesamte Plateau geht. Da der Wind aber in Sturmstärke weht und ich mit Shorts und Tshirt vielleicht nicht ganz angemessen bekleidet bin, mache ich mich recht bald wieder an den Abstieg, diesmal über den regulären Weg, die Kletterpassagen nach unten sind mir dann doch etwas zu heftig!

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Abends hat Neils Freund Sonderkarten für ein Event namens Sonar aufgetrieben, die deutlich günstiger sind als die regulären Karten. Ich weiß immer noch nicht, auf welche Art von Musik dieses Event eigentlich spezialisiert ist, aber ich hätte nie gedacht dass ich mal die Pet Shop Boys live sehen würde. Etwas Europop aus den 90ern? Warum nicht? War auf jeden Fall ziemlich cool 🙂

Dienstag morgens verlassen wir dann gemeinsam Cape Town und fahren über die Garden Route nach George, etwa 400 km von Cape Town entfernt, zu Neils Dad, der dort vor kurzem ein Stück Land gekauft hat. Hier werden wir noch den Rest der Woche verbringen, und dann am Freitag nach Johannesburg weiterfahren.
Achja, sorry für die lange Wartezeit, aber leider ists mit der Internetmöglichkeit hier nicht so weit her, deshalb hats ein wenig gedauert, das hier hochzuladen…

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