Ski-Roadtrip in B.C.

Nachdem Flo, Felix und Jojo am Samstag (wir sprechen vom 3. Januar) den Camper abholen, der sich im tiefen Süden Vancouvers befindet, kanns endlich losgehen mit dem Trip durch British Columbia. Ich war währenddessen noch einkaufen und so sind wir essenstechnisch erstmal versorgt. Nachdem es letztlich doch bis zum frühen Nachmittag dauert, bis wir alles in den Camper verpackt haben, kommen wir erst relativ spät los, als es schon am dunkel werden ist (was hier in Kanada auch schon um 4 Uhr der Fall ist). Schon knapp 100km nach Vancouver fängt es an zu schneien, und je weiter wir kommen, desto verschneiter ist der Highway, bis wir dauerhaft auf etwa 10-20cm Schnee dahinfahren. Da die nächsten Tage in der Gegend um Revelstoke laut Wettervorhersage ziemlich schneereich werden sollen, und es in Whistler/Blackcomb Mountain nur regnet, haben wir das erstmal ausgelassen – die anderen drei werden das auf der Rückfahrt eventuell noch nachholen.
Noch im Lift aus Davids Penthouse-Apartment (31 Stockwerke lassen ordentlich Zeit für Diskussionen) haben wir noch gerätselt, was denn so ein Camper eigentlich an Benzin verbraucht. Meine Schätzung von 10-15 Litern erweist sich dabei als ziemlich unrealistisch, es dürften wohl etwa 30 Liter sein, was der dicke Kasten pro 100km so aus dem Auspuff jagt – auch wenn Sprit hier recht günstig ist, so ist das doch schon ne ordentliche Menge. Das liegt ja auch nicht zuletzt daran, dass das, was hier als Benzin verkauft wird, ein selten dünnes Wässerchen ist: Standard-Benzin hat hier gerade mal 87 Oktan! Dass davon unser Wohnmobil, das mal ordentlich groß dimensioniert ist, nicht so schnell satt wird, ist auch verständlich. Man könnte natürlich auch das Premium-Benzin tanken, hat immerhin sage und schreibe 91 Oktan! Manchmal fühlt man sich hier ja wie in Afrika…!

Fahrt nach Nelson 014

Davon abgesehen ist der Camper aber die nordamerikanische Luxus-Variante: doch ordentlich Platz, Warmwasser und Heizung (Klimaanlage gäbe es auch), und natürlich auch ein eigener Generator ist mit eingebaut. Die Sitzgruppe lässt sich elektrisch aus seitlich ausfahren, bis sie wie ein Erker einen dreiviertel Meter aus dem Camper herausragt und für ein ordentliches Mehr an Platz im Innenraum sorgt – so lässt es sich schon leben.

Aufgrund des Schnees und der fortgeschrittenen Uhrzeit kommen wir Samstag abend nicht mehr bis nach Revelstoke, sondern übernachten zwischen Kamloops und Revelstoke, in einem kleinen Ort namens Salmon Arm, glorreicherweise direkt neben der Bahnstrecke, was die eh schon recht kurze Nacht noch einmal etwas unangenehmer macht…

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Frühstück entschädigt für eine kurze Nacht

Am nächsten Vormittag in Revelstoke treffen wir uns erst mal mit Nathan, einem Freund von Flo, der mit uns eine kleine Skitour an den 5 Fingers gehen will (diese markanten Schneisen etwas außerhalb des Ortes werden schon als inoffizielles Skigebiet bezeichnet und eignen sich daher perfekt für unseren ersten Tag, schließlich hat noch niemand von uns bisher einen Skitag in dieser Saison gehabt!).

Keine besondere Skitour, und auch wenn etwas Neuschnee, trotzdem keine besonderen Verhältnisse, trotzdem ist die erste Tour der Saison doch immer etwas besonderes. Da wir als Gruppe etwas auseinandergerissen werden, und auch die Lawinenlage in den steileren Abschnitten nicht ganz ungefährlich ist, kehren wir kurz vor Ende des flacheren Stückes um, fellen ab und ziehen die ersten Schwünge in den Schnee. Auch wenn (siehe inoffizielles Skigebiet) die Hänge schon recht verspurt sind, so finden wir doch alle noch eine halbwegs schöne Line, macht auf jeden Fall schon gut Spaß.
Nur die letzten 100-150 Höhenmeter sind dann nicht mehr so lustig, sie führen auf ausgefahrenen Lines durch die Bäume, sodass das viel eher Skicross als Freeride ist. An einem der zahlreichen Engstellen muss ich plötzlich Flo ausweichen, und bekomme dafür von einem Ast kräftig eine runtergehauen. Egal, Krone richten, weiterfahren, ich denke mir nix dabei, bis wir etwa 5 Minuten später feststellen, dass meine GoPro fehlt. Verdammt, die muss ich irgendwo verloren haben. The worst case! Auch wenn ich sofort an diese Baumwatsche denke, die sie mir vom Helm geschlagen haben könnte, so könnte sie überall im Schnee liegen, die Chancen sie zu finden sind ziemlich gering, und ausserdem wird es bald dunkel. Trotzdem mache ich mich mit Felix ohne Ski durch teils Oberschenkel-tiefen Schnee auf, um nocheinmal nach oben zu gehen und sie zu suchen – und tatsächlich, ich habe Riesenglück, Felix findet sie auf dem Weg nach oben, genau dort, wo ich sie vermutet hätte! Puuhh!!

Abends werden wir erstmal von Nathan und seiner Freundin Marika zu sich eingeladen, bevor wir uns auf den Weg zum Revelstoke Mountain Resort machen. Dort auf dem Parkplatz können wir den Camper einige Zeit stehen lassen, während wir die nächsten Tage im Resort fahren wollen – der Wetterbericht verkündet so einiges an Neuschneezuwachs über Nacht – bereits jetzt schneit es wie verrückt, sodass wir den Camper gar nicht mal so ohne weiteres parken können (im Schaufeln werden wir noch einiges an Erfahrung hinzugewinnen in den nächsten Tagen!)

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Marika hat uns noch den Tip gegeben, am nächsten Tag früh anzustellen – es könnte voll werden! Irgendwie haben wir den Tip nicht ganz so ernst genommen, wir sind zwar früh dort, aber offensichtlich nicht annähernd früh genug, die Schlange ist schon gute 200 Meter lang, schön ordentlich in 3-4er Reihen angestellt. Und dabei sind wir letztlich irgendwo in der Mitte, nicht annähernd am Ende.
Dafür werden wir aber auch mir richtig gutem Powder belohnt, die lichten kanadischen Wälder, einfache Pillows und einfach auch immer wieder offene Hänge sind mit gut 40cm Powder bedeckt. Da das Resort trotz seiner wenigen Lifte extrem weitläufig ist, findet sich auch immer wieder ein halbwegs unverspurtes Fleckchen, obwohl hunderte Leute am Berg sind – und zwar ausnahmslos alle zum freeriden!
Die Hauptrouten sind nach knapp 2 Stunden völlig verspurt und haben sich in ziemlich üble Buckelpisten verwandelt!

Abends schlendern wir dann noch durch Revelstoke und erfreuen uns am tiefen Schnee, der die Stadt völlig untergehen lässt – selbst die Hauptstraßen sind nicht mehr geräumt und völlig verschneit und vereist: Ein Wintertraum, zumindest für uns.

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RV-Tour Revelstoke 33

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Auch der nächste Tag im Resort ist nochmal ein toller Tag, es hat nochmal 30-40cm über Nacht geschneit, und alles was vom Vortag noch ordentlich niedergefahren war, glänzt jetzt wieder im unverspurten Powder – zumindest in der Theorie.
In der Praxis ist leider keine Sonne zum Glänzen, und ausserdem gibts hier (zusätzlich zum mit 90 Dollar durchaus kostspieligen Skipass) für 60 Dollar Aufpreis die Möglichkeit, eine Stunde vor Liftopening schon mal die ersten Runs zu fahren… Unverspurt ist also nix!
Aber in den Bäumen lässt sich immer was finden, auch wenn der Schnee deutlich schwerer ist und nicht mehr so schön fluffig wie am Tag zuvor.

Abends halten wir Kriegsrat. Die anderen planen ihren Roadtrip, an dem ich so lange wie möglich gerne teilnehmen möchte, schließlich verstehen wir uns super und es macht richtig Spaß.
Andererseits muss ich wieder nach Revelstoke zurückkommen am Ende und sollte auch mal sehen, dass ich an eine Unterkunft für die nächsten Wochen komme – alles andere als einfach!

Letztlich entscheiden wir uns, nach Nelson zu fahren, etwa 300km südlich von Revelstoke (nicht zuletzt, weil wir uns von der Fähre über den Columbia River gute Fotos und Videos erwarten 🙂 )

This is Canada!

This is Canada!

Gibts sowas in Europa: Eine Autobahn, die einfach endet und einfach mal stündlich per Fähre bedient wird, um 2km Fluss zu überqueren?

Gibts sowas in Europa: Eine Autobahn, die einfach endet und einfach mal stündlich per Fähre bedient wird, um 2km Fluss zu überqueren?

Ready to rumble!

Ready to rumble!

Fahrt nach Nelson 030

Fahrt nach Nelson 061

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Auf dem Weg nach Nelson nehmen wir noch eine der Hot Springs mit (von Marika und Nathan empfohlen)
Auch wenn wir am Rande des Highways erstmal einige Kubikmeter wegschaufeln müssen, um unseren Camper zu parken, mittlerweile sind wir ja erfahren, und zu viert mit Lawinenschaufeln kann man auch recht flott große Mengen Schnee bewegen. Von zwei zufälligen anwesenden Kanadiern, die den Weg zu den Hot Springs per Motorsled zurücklehnen (typisch Kanada 🙂 ), gibts auf jeden Fall ordentlich Respekt!
Danach heißts erst mal eine knappe Stunde durch die Landschaft wandern: Gut dass wir nach dem Neuschnee nicht die ersten sind, die zu den heißen Quellen wandern, den Weg hätten wir trotz genauer Beschreibung sonst nie gefunden.

Fahrt nach Nelson 089

Hot Springs wie diese (leider keine Fotos 😦 ) gibts hier so einige, irgendwer hat mal halb künstliche, halb natürliche Becken gebaut, wo das Wasser mit Rohren und Schläuchen umgeleitet wird, und so mehrere Becken mit unterschiedlicher Temperatur entstehen. Ziemlich cool, das heißeste Becken hat knapp 40 Grad, darin lässt es sich definitiv aushalten, während man sich immer auch mal im tiefen Schnee abkühlen lässt, wenn einem zu heiß wird.

Schon recht spät abends kommen wir an in „the charming and vibrant skitown of Nelson, BC“. Vollmundiges Versprechen, leider meilenweit an der Realität vorbei. Die Stadt ist schneefrei, es hat einige Grade plus, und sie wirkt wie ausgestorben. Nach einem Burger und einer Lagebesprechung beschließen wir, noch am selben Tag zum Kootenay Pass weiterzufahren, der von Nelson aus nach Alberta führt und gleichzeitig eine Transitroute in die USA ist. Zudem ist es einer der höchstgelegenen Passstraßen in den kanadischen Rocky Mountains und es soll schneereich und eiskalt sein. (An dieser Stelle sei mal erwähnt, dass seit einigen Tagen unsere Heizung im RV ausgefallen ist!)
Der Kootenay Pass scheint eine tolle Ausgangsbasis für Skitouren zu sein und ist gleichzeitig aktuell weniger lawinengefährdet als die Gegend um Revelstoke.

Nach einer ziemlich kalten Nacht werden wir von Traumwetter und tollen Tourenmöglichkeiten belohnt.

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Vom Parkplatz aus entscheiden wir uns für eine etwas flachere Tour, da wir im für uns unbekannten Terrain die Stelstellen möglichst vermeiden wollen. Bei strahlend blauem Himmel machen wir schnell Höhe und haben noch genug Zeit für die einen oder anderen Filmaufnahmen.

Kootenay Pass 26

Kootenay Pass 16

Kootenay Pass 09

Zwei ältere Kanadier, die wir beim Aufstieg treffen, helfen uns noch bei der Wahl der Abfahrtsroute und empfehlen uns eine weniger steile, sehr vielversprechend aussehende Abfahrt etwas nördlich des ersten Gipfels, für die wir nochmals auffellen müssten.

Kootenay Pass 27

Traumwetter

Traumwetter

Der Aufstieg über den Grat ist nochmal etwas tricky, da nicht nur die auch hier leider warmen Temperaturen der letzten Tage die Schneedecke ordentlich verkrustet haben, sondern sich auch bei wohl sehr starkem Wind ordentliche Wechten gebildet haben, die nur schwer einzuschätzen sind – man muss also möglichst weit weg von den Wechten aufsteigen, ohne zu sehr ins steile Gelände der anderen Seite zu kommen. Sicherheitshalber halten wir ordentlich Entlastungsabstand ein.

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Kootenay Pass 32

Endlich am Gipfel angekommen frischt der Wind plötzlich auf, und innerhalb von zwei Minuten, die wir gerade abfellen, kommt der Nebel aus dem Tal nach oben und wir sitzen mit Sichtweiten unter 20 Meter plötzlich fest. Wir graben erstmal ein hübsches Schneeloch und machen eine ordentliche Brotzeitpause. Als sich auch nach über einer halben Stunde an der Situation nichts ändert, und an die geplante Abfahrt auf die andere Seite natürlich nicht zu denken ist, entscheiden wir uns schweren Herzens wieder für den Abstieg und fahren vorsichtig die Aufstiegsroute wieder hinab. Auch wenn stellenweise kein so schlechter Schnee liegt, wir hatten uns hier schon deutlich mehr erwartet.
Da der Schnee im Norden trotz geringerer Mengen doch besser war, fahren wir in der Nacht noch zurück nach Revelstoke.

Kootenay Pass 35

Nachdem ich dort erstmal einen Tag aussetze zur Wohnungssuche, während die anderen drei nochmal das Skigebiet unsicher machen und von dort noch einige Aufstiege auf der Suche nach guten Abfahren unternehmen, und ich am Samstag abend dann erstmal bei Matt (den ich aus Bolivien kenne) in Revelstoke unterschlüpfen kann, bis ich was gefunden habe, fahre ich mit Nathan am Sonntag noch mal zu den dreien nach Rogers Pass, um noch mal gemeinsam eine Tour zu gehen.

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Zeichen stehen auf Hammertag!

Zeichen stehen auf Hammertag!

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Nathan hat eine vielversprechende Tour herausgesucht, das Wetter schaut gut aus, und der Schnee scheint etwas besser. Deutet alles auf einen guten Tourentag hin, aber keiner erwartet diesen wahnsinns Tag der es letztendlich wird. Während dem Aufstieg über (teils recht schwierige Route) die Westflanke des Mount MacDonald werden wir mit einem tollen Ausblick über den benachbarten Mt. Avalanche (warum der wohl so heißt?) und die Gletscher im Glacier Nationalpark belohnt.

Kurze Pause

Kurze Pause

Dieses Face hat es mir angetan, das schreit nach einer Abfahrt

Dieses Face hat es mir angetan, das schreit nach einer Abfahrt

Mount Avalanche

Mount Avalanche

Nach 4h Aufstieg fellen Flo und Nathan ab, mit Felix und Jojo mache ich mich noch ein bisschen weiter auf den Weg, auch wenn die Aufstiegsspur zunehmend schwieriger wird und teils im steilen Gelände keine Fehler beim Spitzkehrengehen erlaubt (DAS lernt man hier!)

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bei -17 Grad sind auch die Bäume nicht mehr grün

bei -17 Grad sind auch die Bäume nicht mehr grün

Dafür ist die Abfahrt ein Traum, teils richtig tiefer und trockener Powder bis direkt zum Parkplatz, unsere Sorge über durchfeuchteten oder verkrusteten Schnee erweist sich als unbegründet, sodass man sogar etwas steiler als ursprünglich gedacht fahren kann.

Schon ganz ordentlich Schnee hier

Schon ganz ordentlich Schnee hier

Unten im Tal tauschen wir dann noch schnell Foto- und Videoaufnahmen aus, denn die drei fahren nach Banff/Lake Louise weiter und werden auf dem Rückweg nicht mehr nach Revelstoke kommen. Viel Spaß an dieser Stelle!
Für mich gehts abends zurück nach Revelstoke, wo ich die nächsten Wochen weitgehend bleiben werde!

Achja, und das hier ist ein Platzhalter für das Video, das Flo noch schneiden wollte (um dich ordentlich unter Druck zu setzen! 🙂 )
Das sollte irgendwann dann in den nächsten Wochen hier mal auftauchen.

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