Einleben in Revelstoke

Hui, jetzt bin ich schon wieder ne ganze Zeit hier. Ganz so einfach war das alles nicht, aber schlussendlich hat alles besser geklappt als erwartet.

Nachdem ich mich von Flo, Jojo und Felix verabschiedet habe, ziehe ich erstmal bei meinem Freund Matt ein. Einziehen ist vielleicht das falsche Wort, aber zumindest eine zum Bett ausklappbare Couch im Wohnzimmer seiner WG darf ich ab jetzt mein eigen nennen. Is ja nur übergangsweise.
Eine Unterkunft in Revelstoke zu finden ist allerdings alles andere als einfach, dafür gibts mehrere Gründe. Erstens mal: Es hat Schnee. Und zwar ne ganze Menge. Und da ich vorrangig meine Tage im Revelstoke Mountain Resort oder beim Skitouren am Rogers Pass verbringe, bleibt zur Wohnungssuche auch nicht gerade viel Zeit übrig. Zweitens gibt es kaum Wohnungen/Zimmer zu mieten. Meine Ansprüche sind nicht gerade hoch, aber prinzipiell möchte ich schon gerne mit anderen Ski Bums zusammenlegen, Leute im (halbwegs) selben Alter und mit den selben Interessen. Ich bin zwar zum Skifahren hier, aber man möchte ja doch ein soziales Leben auch haben, und das fällt in einer WG nun mal deutlich leichter. Und zum dritten Punkt: Neben mir suchen hier bestimmt weit über 100 Leute das gleiche: irgend eine Unterkunft für den Rest der Saison. Revelstoke wird einfach immer beliebter, und ist längst kein Geheimtipp mehr. Und da ab Anfang Dezember hier alles voller Ski Bums ist, ist die Wohnungssuche im Januar alles andere als leicht.

In der folgenden Woche gebe ich mein Bestes, schreibe dutzende Einträge auf der Stoke List (eine Art Schwarzes Brett online für Revelstoke) und versuche über alle möglichen Ecken Kontakt zu Vermietern bzw. potenziellen Mitbewohnern herzustellen.
Aber es scheint mit dem Teufel zuzugehen. Manche Wohnungen werden einfach an jemanden anders vermietet (klar, bei 50+ Interessenten für ein Zimmer kann man schon wählerisch sein, und die Chance für einen selber ist statistisch einfach recht klein, dass man in jedem Detail die passende Person ist), bei anderen Gegebenheiten spielt einfach der Zufall blöd mitrein. Mit einem Pärchen, Michelle und Victor, hätte ich mich per email eigentlich schon geeinigt, aber leider springt ihnen der Vermieter im letzten Augenblick ab. Ohne Wohnung natürlich auch kein Mitbewohner, und so bleibe ich wieder auf der Strecke…
Und davon ganz abgesehen macht die Wohnungsnot natürlich erfinderisch – vor allem die Vermieter. Und so werden so manche Zimmer zu Mondpreisen verhökert, unter anderem für ein Zimmer in einer Art WG (allerdings unterm selben Dach mit dem nicht sehr gechillten Vermieter/Kontrollfreak) inkl. Strom ohne Internet mal schnell 1000 Dollar pro Monat. Und es gibt durchaus Leute, die das auch bezahlen.
Ich für meinen Teil hatte mir eigentlich 400-500 Dollar als Budgetgrenze gedacht, aber langsam muss ich mich mit dem Gedanken anfreunden, dass das wohl so nix wird, und ich wohl oder übel mehr bezahlen muss, um irgendwann ein Dach über dem Kopf zu haben (und etwas Privatsphäre).
Und schließlich habe ich doch Glück. Eine Familie vermietet ein Zimmer in Viers Crescent, all inkl. für 400 Dollar. Klar, auch wenn der Preis gut passt, es ist halt leider keine WG und dazu auch noch ziemlich weit ausserhalb, ganze 4km von Downtown, und fast 10km vom Resort entfernt. Aber mittlerweile möchte ich einfach nur ein eigenes Zimmer haben, und das mit dem Radfahren im Winter bin ich ja von Innsbruck gewohnt, da sind 4km ja gar nichts. Und so sage ich schließlich zu.

Alec, mein Skitourenpartner in Ursus Trees

Alec, mein Skitourenpartner in Ursus Trees

Rogers Pass Discovery Center

Rogers Pass Discovery Center

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Am Abend sitze ich mit Nathan, Marika und Alec (ein Freund von Nathan, mit dem ich am selben Tag noch eine Skitour in Rogers Pass war, schließlich hat es in der letzten Nacht gerade 40cm geschneit) im Big Eddys Pub und lasse den Abend mit ein paar Bierchen ausklingen. Da vibriert plötzlich mein Handy, und ich bekomme eine email von Michelle, die mir mitteilt, sie hätten eine neue Wohnung gefunden und frägt, ob ich noch auf der Suche nach einer Wohnung bin.
Jetzt gilt es keine Zeit mehr zu verlieren! Noch am selben Abend treffe ich mich mit Victor (Michelle ist momentan in Calgary, nur Victor ist in Revelstoke), der sich als gechillter und lustiger Spanier entpuppt. Lustigerweise auch Arzt, wobei der den Weg, den ich momentan gehe, etwas ausgedehnt hat und mittlerweile seit 3 Jahren am Reisen ist (die Beziehung zur Kanadierin Michelle hat da einen großen Anteil daran).
Wir verstehen uns auf Anhieb blendend, und da er sowohl ein Auto als auch ein Splitboard hat, beschließen wir auch gleich spontan, an den heutigen genialen Tiefschneetag noch einen weiteren dranzuhängen. Mittlerweile kenne ich mich am Rogers Pass schon halbwegs aus (zumindest die Standardtouren) und kann auch schon selber Guide spielen. So haben wir einen genialen Tag gemeinsam, mit viel Spaß und obendrein noch dem besten Powdertag bisher – was will man mehr! Die Frage nach der Wohnung stellt sich gar nicht mehr: Ich bin ab sofort Victors und Michelles Mitbewohner und kann noch am selben Abend einziehen! Der Familie hingegen sage ich ab, ich habe glücklicherweise noch keinen Mietvertrag unterschrieben!

Victor, mein Mitbewohner und passionierter Splitboarder

Victor, mein Mitbewohner und passionierter Splitboarder

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Bei der Wohnung handelt es sich um eine 3-Schlafzimmer-Wohnung in Columbia Gardens, einem Wohnkomplex an der Highwaykreuzung (also auch etwas ausserhalb von Revelstoke). Da sie unmöbliert ist, verbringen wir die kommenden Tage immer wieder mit dem Auftreiben von möglichst günstigen oder gar kostenlosen Möbeln, bis die Wohnung halbwegs heimelig ist. Mittlerweile ist auch Michelle aus Calgary angekommen und mit Ashton aus Aukland/Neuseeland hat sich der vierte im Bunde gefunden. Auch wenn ich der einzige Skifahrer unter den Snowboardern bin, so haben doch alle ein Splitboard (und noch viel mehr, es ist nämlich unfassbar wieviel Skiequipment mittlerweile in unserer Wohnung ist) und so wird das wohl ein schön tourenorientierter Aufenthalt hier werden.
Zur Wohnung an sich will ich mal gar nicht so viele Worte verlieren, das wird in einem der nächsten Blogeinträge mal genauer beleuchtet…!

Victor und Michelle

Victor und Michelle

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Einen weiteren Schwung Powdertage gibts noch das nächste Wochenende, den ersten Tag davon verbringen wir tourend in der Umgebung des Resorts mit einem super Tag (auch wenn einer der Buddies am Ende seine GoPro im Schnee verliert und nicht mehr wieder findet – ein herber Verlust, nicht nur finanziell!) und am folgenden Tag noch mit einem der üblichen Frühaufsteher-Tage – wer sich an Powdertagen nicht spätestens um 7 für den Lift anstellt, steht irgendwo in der 500m langen Liftschlange (das ist jetzt kein Witz!!) ganz hinten und findet an Powdertagen nur mehr verspurtes Gelände!

Das ist nicht mal annähernd die ganze Schlange: davor sind noch knapp 50m und hinter der Kuppe gehts nochmal weit weiter...!

Das ist nicht mal annähernd die ganze Schlange: davor sind noch knapp 50m und hinter der Kuppe gehts nochmal weit weiter…!

Damit wir wenigstens nicht Hunger leiden, habe ich mir eine Überraschung überlegt und tauche am nächsten Morgen mit 1,5kg Pfannkuchenteig, einem Dutzend Eier und zwei Pfannen und Campingkochern auf – so gibts erst mal Rolex (Rolled Eggs = Spiegelei in Pfannkuchen) wie in Uganda, ja, von den Afrikanern kann man sich schon so einiges abschauen. Wir sind auf jeden Fall das Highlight der Schlange, fast jeder will ein Foto machen, und sogar die ersten G.N.A.R.-Points werden mir verliehen – nice!!

Koch-Meister Johannes

Koch-Meister Johannes

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Wer will ein gesundes Frühstück??

Wer will ein gesundes Frühstück??

Nach diesem Wochenende macht der Winter hier erstmal Pause, es wird richtig warm (und damit schnellt erstmal die Lawinengefahr nach oben) und der schöne Schnee wird entweder hässlich oder schmilzt gleich ganz. Leider scheine ich nicht gerade den besten Winter erwischt zu haben, wobei das jetzt kein Gejammere werden soll: selbst ein unterdurchschnittlicher Revelstoke-Winter spielt bei uns schneemäßig weit oben mit – dieser Platz ist einfach unglaublich!!

Blick über Greely Bowl und ins Tal des Lake Revelstoke

Blick über Greely Bowl und ins Tal des Lake Revelstoke

Mount Mackenzie

Mount Mackenzie

Scheiss Job... :)

Scheiss Job… 🙂

Ashton, der vierte im Bunde

Ashton, der vierte im Bunde

So bleiben wir zu Hause und schmieden Pläne… Neben diversen Faces und Shoots um das Resort plane ich eine bestimmte Line im MacDaddys-Face, diesem unglaublich steilen Face, an dem die letzten Jahre auch die Freeride World Tour abgehalten wurde. Einmal vor 2 Wochen habe ich dieses Face schon befahren, allerdings auf der leichtest möglichen Stelle. Mittlerweile habe ich mir ein hochauflösendes Bild gemacht und studiere die Line, um sie in- und auswendig zu kennen: MacDaddy mit seinen unzähligen Cliffs ist der Inbegriff der No-Falling-Zone und nicht gerade ideal, um falsch abzubiegen…
An Challenges mangelt es hier nicht, aber viel davon will gut vorbereitet und durchdacht sein!
Mit Ashton habe ich so einige Ideen für Mehrtages-Skitouren, ich warte nur noch auf meine Isomatte, die ich nächste Woche bekommen sollte (ohne Isomatte würde es sonst nachts im Zelt doch recht ungemütlich werden).

Ich hoffe die nächsten Blogeinträge kommen wieder etwas regelmäßiger, auch wenn man sagen muss, dass es auch schwer ist, manchmal etwas zum schreiben zu finden, schließlich bin ich nicht mehr jede Woche in einem anderen Land so wie bei den letzten Trips.
Dennoch werde ich mich bemühen!
Als kleine Entschädigung darf ich an dieser Stelle jedoch dafür eine Neuigkeit präsentieren:
Eibitravels gibts ab jetzt auch als Webisode auf Youtube.
Da ich hier einen günstigen neuen Laptop gefunden habe, habe ich endlich auch genug Rechenpower, um aus dem ganzen Filmmaterial auch etwas zu schneiden, es wird also hoffentlich das eine oder andere Filmchen rausspringen in den kommenden Wochen.
Ich hoffe es bereitet euch genausoviel Freude, und daher präsentiere ich hier mit Stolz „Eibitravels Canada Episode 1“!!
Viel Spaß

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