When life gives you pineapples…

Nachdem im Januar, der für meine Begriffe ja doch so einige gute Tage zu bieten hatte, schon alle über den schlechten Winter gejammert hatten, habe ich festgestellt, dass die Ansprüche an einen guten Winter in BC doch andere sind als bei uns in den Alpen. Das ist es, wofür Revelstoke auch bekannt ist: Es kann hier über Wochen hinweg täglich 20cm schneien, bis alle Skibums um auch nur einen einzigen Tag ohne Schnee flehen um endlich einmal Pause zu machen. Und nach dem eher durchwachsenen Januar wartet also jeder auf die Februarstürme.

Und es kommt… der Pineapple-Express!
Hinter diesem niedlichen Namen verbirgt sich der größte Feind des nordamerikanischen Winters! Es handelt sich um einen pazifischen Jetstream, der warme feuchte Luftmassen von Hawai an die amerikanische Westküste schaufelt, von wo sie normalerweise Richtung Kanada auf die typischen arktischen kalten Jetstreams treffen. Bei diesem recht üblichen Wetterphänomen liegt die eigentliche Aufgabe des Pineapple-Express darin, dem Bestreben seiner warmen Luftmassen zu folgen, den kalten arktischen Strömen auszuweichen und aufzusteigen, sich dabei abzuregnen und den Norden der USA mit sinnflutartigen Regenfällen zu überschwemmen und sich selbst dabei unschädlich zu machen. In diesem Sinne: Vorteil Kanada, das wird lediglich von den feucht-kalten Arctic Streams bevölkert. Was passiert aber, wenn die Arctic Streams wie dieses Jahr ausbleiben, und der Pineapple-Express mit aller Macht nach Norden schiebt? Es folgt einer der schlechtesten Winter in BC seit über 30 Jahren!

Anfangs denken wir uns noch nicht allzuviel, als Anfang Februar die ersten massiven Schneemassen nass herunterkommen. Im Garten wird erstmal einer der größten Backyard-Jumps der ganzen Stadt geschaufelt (Ein Wunder, dass das gute Ding mit seinem gnarly Gap und seiner kurzen und steilen Landung keine Kreuzbänder auf dem Gewissen hat!), der sich aber innerhalb weniger Tage in feuchten Matsch verwandelt…

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Keine halben Sachen

Keine halben Sachen

Auch im Resort fällt der Schnee zwar recht üppig, aber leider auch feucht bis oben hin. Wir probieren es ein paar Mal, aber es macht nicht so recht Spaß, daher warten wir lieber, bis die Schneefallgrenze sinkt, kann ja nicht allzulange dauern, ist ja BC!!

Michelles neues Splitboard

Michelles neues Splitboard

Einen der halbwegs schönen Tage nutzen wir für eine richtig lustige Skitour aus dem Skigebiet heraus, in erster Linie, um mit dem Zoomobjektiv der SLR die Umgebung des Ghost Peak zu fotografieren, ein ziemlich weit vom Gebiet gelegener Gipfel, dessen einzigartig geformtes West-Face unser Ziel für diese Saison ist. Da das ganze eine Mehrtagestour werden wird, und wir bisher niemanden kennen, der das jemals gemacht hätte, gehts hierbei vorrangig mal darum, eine möglichst direkte, aber lawinengeschützte Route zu finden, einen Platz für ein Zeltlager, und vor allem eine Einschätzung des Faces selbst bezüglich Aufstiegsroute, Steilheit, Kletter- und Seilpassagen und natürlich Abfahrtslinie. Zu unserer Zufriedenheit entpuppt sich der Berg auf den Fotos als einfacher als befürchtet, jetzt muss nur noch ein Wetterfenster kommen…!

Mt Cartier

Mt Cartier

Blick von Montana Ridge

Blick von Montana Ridge

Ghost Peak

Ghost Peak

Was ursprünglich als reine Erkundungstour gedacht war, wird eine Riesengaudi, nicht zuletzt, da doch einige Leute sich spontan angeschlossen haben (auch wenn sie die Weisheiten offenbaren, dass 1. eine Gruppe immer nur so schnell ist wie der Langsamste und 2. je größer eine Gruppe ist, desto langsamer ist sie auch!)

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Und im Anschluss danach werden wir sogar noch einmal mit ein paar Powdertagen belohnt. Teils im Resort, teils beim Skitouren in Rogers Pass oder auch am Mount MacPherson, gleich um die Ecke von Revelstoke. Auch wenn man hoch hinaus muss, um halbwegs trockenen Powder zu finden, und selbst hier noch ein paar Turns, so scheint sich doch der Winter zurückzumelden…

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Leider schnellt ob des vergangenen warmen Wetters und der feuchten Neuschneemengen auch die Lawinengefahr teils bis auf Stufe 5 hoch. Zahlreiche Selbstauslösungen von Nassschneelawinen zeugen in den folgenden Tagen noch davon:

Ganz schön scary solche riesen Lawinenausläufer

Ganz schön scary solche riesen Lawinenausläufer

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Safety first!

Safety first!

Victor und Michelle

Victor und Michelle

Genug schöne Footage, um auch Episode 2 von eibitravels Webisode fertig zu schneiden. Viel Spaß mit dem neuen Video!

Ab hier wird es brutal!
Direkt danach schnellt die Schneefallgrenze auf bis zu 3000m hoch, und jeden Tag trifft ein neuer Schwall feuchte Luft die Berge (so wie es ja eigentl ich im Februar sein soll): Während der Pineapple-Express an der Küste für Rekordtemperaturen sorgt (Vancouver 15 Grad!!!! Im Februar!!!) und in Squamish/Whistler Blackcomb das ganze Gebiet sich in Seen verwandelt hat, in denen die Lifte absaufen, siehts hier in Revelstoke auch nicht wesentlich besser aus. Nur weit oben im Gebiet fällt überhaupt Schnee, und dieser ist so feucht, dass er sich überahupt nicht fahren lässt – immerhin zählt er zur Gesamtschneefallmenge, die liegt aktuell bei knapp 750cm (!) – Am Niederschlag (was typisch für einen El Nino Winter wäre) liegt es also mal nicht, es ist nur einfach viel zu warm!! Der Rest des Skigebiets wird einfach nur abgeregnet. Über Tage. Nur Dank des Einsatzes des Pistendiensts und des hier generell recht hohen Snowpacks, das mittlerweile aber extrem zusammenschrumpft, ist es überhaupt noch möglich, auf den Pisten zu fahren – Spaß macht es schon lange keinen mehr! Abseits der Pisten ist es nicht mehr möglich, ein völlig durchnässter Schnee macht jegliche Turns komplett unmöglich.
Viele Skibums reisen frustriert ab.
Aber Aufgeben ist nicht!!

Zuerst wird einmal das Wochenende ordentlich begossen! Nicht mit Regen (der fällt eh), sondern mit Bier! Eigentlich bin ich nicht zum feiern, sondern zum Skifahren hergekommen, aber man kann es sich halt nicht aussuchen. Und nach fast 2 Wochen mit teils +7°C sieht es ab Faschingsmontag endlich wieder etwas besser aus. Noch immer kein Schnee in Sicht, aber zumindest einmal wieder kalt. Dann werden wir mal sehen, was sich aus den Verhältnissen noch rausholen lässt: Es winken Frühjahrsverhältnisse fürs Tourengehen. Zwar nicht das, was man sich im Februar in British Columbia erwünscht, aber the show must go on!!

Sometimes, life gives you pineapples…
…and you make pineapple juice!

Von so nem Winter lass ich mir den Spaß doch nicht verderben!

Von so nem Winter lass ich mir den Spaß doch nicht verderben!

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2 Antworten zu “When life gives you pineapples…

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