Mount Cartier

Dass ich mir nicht die beste Zeit ausgesucht habe, um den kanadischen Winter zu erleben, habe ich ja mittlerweile des öfteren erwähnt. Leider hat sich auch bis jetzt, knapp 1,5 Wochen vor meiner Heimreise nichts geändert.
Seit knapp 1,5 Wochen ziehen jetzt Regenschauer durch, die genau auch das sind: Regen. Bis auf über 2000 Meter!
Während hoch oben noch recht gut Schnee liegt, auch wenn er entweder verfirnt oder völlig vereist ist (hängt halt von der Tageszeit ab), so ist schon ein paar Höhenmeter unterhalb der Bergstation quasi nichts mehr davon übrig. Die Pisten verdienen den Namen längst nicht mehr, und bestehen größtenteils nur noch aus Steinen und Dreck, bis auf ein paar, auf denen der Schnee noch irgendwie zusammengeschoben wird, sind die meisten Abfahren auch schon geschlossen.

Für uns ändert sich an der Situation nichts. Es gilt nachwievor die trotzige Devise, aus der Situation das Maximum rauszuholen. Und rückblickend auf die vergangenen Wochen gabs da so einige Highlights, und über eins davon möchte ich jetzt hier näher schreiben:
Der Trip zum Mount Cartier.

Der Blick fesat aufs Ziel gerichtet!

Der Blick fesat aufs Ziel gerichtet!

Bluebird :)

Bluebird 🙂

Der Mount Cartier, der eine oder andere hat ihn vielleicht auf den Fotos der vergangenen Blogeinträge schon das eine oder andere Mal gesehen, erhebt sich einige Kilometer südlich von Revelstoke in 2600 Meter Höhe. So wirklich zugänglich ist er im Winter nicht, will man nicht von Westen her die recht lawinenprädestinierten Hänge aufsteigen – was diesen Winter wohl im Bereich des Möglichen gewesen wäre.
Wir entscheiden uns aber für die Ostseite, sodass man den Berg erstmal von Nordosten her umgehen muss. Die logische Konsequenz ist, das ganze auf eine Zwei-Tages-Tour auszudehnen.
Und so machen wir, also Matthias, sein Bruder Markus und ich uns gemütlich am späten Vormittag vom Skigebiet her auf, um die lange Gratwanderung auf uns zu nehmen. Gratwanderung im mehrfachen Sinne: Erstens müssen wir mehrere Grate entlang touren, und zweitens wissen wir nicht genau, wie der beste Weg eigentlich aussieht. Oft müssen wir uns zwischen Abfahren und Auffellen entscheiden, immer abwägend zwischen den möglichen Folgen: Zu viel Aufzusteigen, was anstrengend ist, oder falsch abzufahren, und womöglich irgendwo in unpassierbarem Gelände stecken zu bleiben.

Kurze Rast

Kurze Rast

Letztendlich kommen wir aber gut in der kleinen Senke östlich des Berges an. Hier hat die Sonne schon ordentlich Tribut gefordert, die Hänge sind teils richtig firnig und schwer zu fahren, und bei jedem Turn ruscht einem der Sluff hinterher. Die Lawinenwarnstufe ist momentan noch bei 1, wobei hier in Kanada nur ein Bericht pro Tag herausgegeben wird, der dem Morgen entspricht. Der Anstieg im Tagesverlauf bei diesen Frühjahrsverhältnissen, so wie er zB. in Tirol extra angegeben wird, wird hier zwar in der Beschreibung verpackt, aber nicht nochmal bewertet. Nach der reinen Nummer darf man also nicht gehen, und so sieht es am Nachmittag auf den Südhängen schon eher nach einem 2-3er aus.

Ghost Peak - heute mal aus anderer Perspektive

Ghost Peak – heute mal aus anderer Perspektive

Was für ein toller Tag!

Was für ein toller Tag!

In der kleinen Senke, die eigentlich ein zugefrohrener See ist, starten wir dann noch unseren letzten Aufstieg für heute, und lassen uns an einem kleinen Plateau am Fuße des Mt Cartier nieder, wo es flach genug für die Zelte ist und mehrere Bäume stehen. Das ist nämlich das nächste Besondere an Kanda. Man kann hier in der Natur einfach machen, was man lustig findet. Was im Sommer natürlich zu den tollsten selbstgebauten Mountainbike-Trails führt, bedeutet im Winter, dass man einfach überall so viel Bäume verbrennen kann, wie man will.

Home sweet home :)

Home sweet home 🙂

Blick von unserem Zeltlager Richtung Ghost Peak

Blick von unserem Zeltlager Richtung Ghost Peak

Da gäbe es noch soo viele tolle Touren hier

Da gäbe es noch soo viele tolle Touren hier

Und zwischen den lebenden Bäumen findet man immer wieder tote Bäume, die so staubtrocken sind, dass man sie mit einem gezielten Tritt fällen und in Stücke brechen kann – entsprechend brennen die auch wie Zunder. So haben wir nach etwas Anlaufschwierigkeiten ein wunderschön warmes Lagerfeuer, während über uns sich der leuchtende Sternenhimmel und die imposante Silhouette des Mt Cartier erhebt.

So einfach ist das dann doch nicht mit dem Feuer machen

So einfach ist das dann doch nicht mit dem Feuer machen

Holz! Wir brauchen mehr Holz!

Holz! Wir brauchen mehr Holz!

Willst du endlich brennen?!

Willst du endlich brennen?!

So eine Lawinenschaufel eignet sich prima als Schürhaken!

So eine Lawinenschaufel eignet sich prima als Schürhaken!

Lagerfeuerromantik

Lagerfeuerromantik

Vollmondnacht

Vollmondnacht

Nach einem ordentlichen Abendessen gehen wir dann auch bald ins Bett.

Früh ins Bett, morgen wartet der Gipfel auf uns

Früh ins Bett, morgen wartet der Gipfel auf uns

Die Nacht ist etwas ungemütlicher als erwartet, da die Temperatur auf fast -10 Grad sinkt, und das (mir von Kerri freundlicherweise) geliehene Zelt vom Wind etwas ausgeblasen wird: So friere ich zwar nicht, aber richtig warm ist es mir trotz dickem Schlafsack morgens dann nicht mehr. Das verfliegt aber schnell, als ich aus dem Zelt krieche und den klaren Himmel sehe, an dem sich die ersten Vorboten des Sonnenaufgangs zeigen. Schnell noch ein warmes Frühstück, die Zelte abgebaut und in einem Baum gelagert, und schon geht es los.

Ein neuer toller Tag in BC

Ein neuer toller Tag in BC

Bald ist sie da, die Sonne

Bald ist sie da, die Sonne

Am Gipfel ist schon Sonne

Am Gipfel ist schon Sonne

Der Aufstieg geht erstaunlich schnell vonstatten und wird von einem atemberaubenden Sonnenaufgang begleitet.

Die Schatten werden langsam kürzer

Die Schatten werden langsam kürzer

Tolle Farben begleiten uns beim Aufstieg

Tolle Farben begleiten uns beim Aufstieg

Was für ein Sonnenaufgang

Was für ein Sonnenaufgang

Nach knapp 2 Stunden Fellen und Bootpacken für die letzten paar hundert Höhenmeter kommen wir schließlich oben am Grat an. Leider kommt man nicht ganz bis zum Gipfel, denn der ist ziemlich überwechtet und von unserer Seite nicht zugänglich.

Gipfelfoto

Gipfelfoto

Ausblick Richtung südliche Columbia Mountains vom Grat des Mt Cartier

Ausblick Richtung südliche Columbia Mountains vom Grat des Mt Cartier

Macht aber nichts, denn von dort fahren sowieso die Heliskier ab. Unsere Line liegt am Osthang, der deutlich steiler ist und somit von den Helis nicht mehr angeflogen wird. Auch wenn es ziemlich eisig ist, so belohnt uns doch die Abfahrt für unsere Mühen!

Die Entschädigung für all die Mühen: Sunshine Turns!

Die Entschädigung für all die Mühen: Sunshine Turns!

Genialer Trip, diese beiden Tage gehören auf jeden Fall zu den Momenten hier, an die ich mich noch lange erinnern werde!

Da waren wir also oben :)

Da waren wir also oben 🙂

Warten aufs Mittagessen :)

Warten aufs Mittagessen 🙂

Nach so einem Trip hab ich auch allen Grund zu lachen

Nach so einem Trip hab ich auch allen Grund zu lachen

Auch wenn die Verhältnisse diesen Winter nicht so waren, wie sich das jeder vorgestellt hat, ich bereue es keine Sekunde lang, dass ich die drei Monate hier verbracht habe! Ich hatte eine geniale Zeit, und wenn ich zurückblicke, gerade auch unter dem Kontext von suboptimalen Bedingungen, dann kann ich voller Stolz sagen:
Ich hab das Beste draus gemacht! Und es war toll!!!

Und da es noch so viel zu erzählen gäbe, schweige ich an dieser Stelle lieber und lasse wieder bewegte Bilder sprechen:
Viel Spaß mit Episode 4:

Nachtrag vom 20.03.15:
Ich habe festgestellt, dass das Video in Deutschland leider gesperrt ist. Es ist extrem schade, dass ich als Privatanwender ohne jeglichen kommerziellen Hintergrund, der das nur zu seinem Vergnügen macht, nicht mal Musik in einem Video verwenden darf, obwohl ich korrekt sogar die Rechteinhaber im Video benenne! Ein sehr ärgerliches Beispiel, dass unser Urheberrecht dringend reformiert gehört!
Es tut mir sehr leid, dass dieses Video, das wie ich finde, das Beste der Reihe ist, daher in Deutschland nicht angesehen werden kann!
Leider habe ich vor dem Schneiden des Videos nicht daran gedacht, zu überprüfen, ob die von mir verwendeten Musiktitel evtl. im Verwertungspool der GEMA enthalten sind…!
Sorry!

Nachtrag vom 21.03.15:
Diesen Missstand habe ich jetzt mal behoben und (obwohl ich ein YouTube-Verfechter bin 🙂 ) dieses eine Video nochmal auf Vimeo hochgeladen, dass es auch von Deutschland aus angesehen werden kann.
Viel Spaß!

Eibitravels Canada Episode 4: Makin' the best of it! from Eibi on Vimeo.

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