Last Week in Revelstoke

Die letzte Woche in Revelstoke drohte langweilig zu werden. Matthias und Markus waren bereits nach Mexiko geflohen, nachvollziehbar bei der Schneelage. Den St.Patricks Day hatten wir dafür noch gemeinsam umso mehr gefeiert, und so lag ich am Mittwoch erst mal flach.

Donnerstag abend steht plötzlich Ashton vor der Tür, eigentlich nur, um ein paar Sachen abzuholen. Stattdessen schauen wir alle gebannt auf die Wettervorhersage, die das nicht mehr möglich geglaubte anzeigt: Ein starker Schneefall mit Schneefallgrenze teils bis auf 1200m runter… Das war das letzte mal im Januar so!!
Was dann folgt ist der perfekte Abschluss! Gemeinsam mit Ashton wird die Woche wieder so, wie auch davor schon immer, wenn wir gemeinsam unterwegs waren. Aufgestanden wird um 6 Uhr und in aller Gemütlichkeit, dafür mit umso mehr Spaß gefrühstückt und alles zusammengepackt, und dann wird das Resort in Grund und Boden gefahren. Völlig überwältigt von diesem Gefühl, endlich mal wieder tiefen Schnee unter den Brettern zu haben, schmeissen wir uns von so ziemlich jedem Cliff, das unseren Weg kreuzt… Mensch, so sollte es doch die ganze Saison sein 🙂

Die folgenden Tage wird es sogar noch besser, am Sonntag lacht morgens sogar die Sonne, und ich bin als erster am Top of Stoke Chair, und steige von dort auf den Subpeak, und setze die ersten Spuren zwischen die verschneiten Bäume! Der Hammer!

Sonntag abend bekommen wir nochmal unerwartet Besuch, Johanna, eine Freundin von Matthias kommt für ein paar Tage couchsurfen. So sind wir Montag dann als 4er Gruppe unterwegs, und versuchen ihr möglichst viel vom Revelstoke Resort zu zeigen. Und so sind wir von Subpeak (wer hatte die Idee von den Burgern zum Frühstück??) und South Bowl bis über Gracias und Greely alle unsere Favouriten am Start. Ich hoffe, es hat ihr gefallen, vor allem wars auch für mich ein echt cooler Abschied vom Resort. Nur das Ende hätte es so nicht gebraucht!
In Greely Bowl treffen wir zufällig Victor und Michelle, wobei Victor „Jeremy Jones“mäßig irgend einen Felsen hochklettert, von dem er starten will. Naja, uns dauert das letztlich zu lange, da wir eigentlich noch einen Run fahren wollen.
Als wir gerade unten die Ski geschultert haben, um in die nächste Sektion zu hiken, sehen wir Vic und Michelle oben queren, nicht gerade die klügste Line bei der angespannten Lawinensituation… Und das machen wir ihnen nicht nur durch Zurufe klar, sondern entscheiden uns auch, da ausser uns keiner mehr in der Bowl zu sehen ist, uns noch zu vergewissern, dass sie auch gut ankommen ohne irgendwas loszutreten. Und bei der Abfahrt passiert es dann:

Bei hohem Tempo verkanntet Michelle, und tomahawkt bei Topspeed sicher 5mal bevor sie zum Liegen kommmt. Ziemlich erschreckende Schmerzschreie zeigen sofort, dass das nicht so glimpflich ausgegangen ist…!
Während ich sofort zu ihr hinspurte, macht sich Ashton schon an die Verständigung der Skipatrol. Letztlich schaffen wir es zwar, sie zu stützen und wieder innerhalb des Skigebiets zu bringen (der Ort des Crashes lag ca. 200m ausserhalb), aber sie hat ziemliche Schmerzen im Rücken, und, naja, nach meinem Unfall damals hab ich mir geschworen, dass ich bei sowas in Zukunft Hilfe hole, nicht nur bei mir selbst. Und so bleiben wir bei ihr und warten auf die Skipatrol, die sie etwa eine halbe Stunde später sicher abtransportieren kann.
Sie hat ziemlich Glück gehabt, hat sich nichts gebrochen (sofern man das auf der ersten Röntgen-Aufnahme sehen kann, da scheiden sich ja die medizinischen Geister), aber die Saison scheint für sie beendet…! Gute Besserung auf jeden Fall!

Am Dienstag, nachdem der Schneefall erstmal vorbei ist, und die Verhältnisse ohne Neuschnee sofort wieder so trist wie die letzten Wochen sind, entschließen wir uns, noch einen Tag nach Rogers Pass zu fahren. Johanna war noch nie in alpinem Terrain skitouren, und wir würden auch liebend gerne dort eine letzte Tour gehen. Da die Lawinensituation aufgrund der teils nassen Neuschneemengen und der beachtlichen Sonneneinstrahlung im Tagesverlauf etwas heikel ist, entscheide ich mich für den NRC Col an der Westschulter des Mt. MacDonald, weil ich diese Tour jetzt schon recht gut kenne.
Wir haben Glück, der Hang war tagelang gesperrt, ausser uns war also noch niemand oben. Der Nachteil dabei, wir müssen selber spuren. Bzw. selber irgendwie raufkommen, an spuren ist bei dem Harschdeckel nicht zu denken. Fast 600 HM müssen wir uns nach oben kämpfen, bis es zuerst in Bruchharsch und dann in Firn wechselt (Von Powder keine Spur mehr).
Meine Bindung treibt mich ein weiteres Mal zur Verzweiflung, irgendwann bricht mir mal wieder die Steighilfe ab, ich kann sie zum Glück reparieren.

Beschwingten Schrittes bergauf - ungefähr 5 sec später bricht mir die Bindung :)

Beschwingten Schrittes bergauf – ungefähr 5 sec später bricht mir die Bindung 🙂

Irgendwas is immer noch faul an der Bindung... :)

Irgendwas is immer noch faul an der Bindung… 🙂

Gerade für Johanna kein Spaß, wollten wir sie eigentlich auf eine entspannte Übungstour mitnehmen, und dann findet sie Verhältnisse, bei denen jeder Fehler gnadenlos mit einer Rutschpartie und Höhenmetervernichtung bestraft wird. Auch Ashton, als Splitboarder naturgemäß benachteiligt, kämpft ganz ordentlich, wird aber immer wieder zum Lächeln ermutigt.

"Smile, Ashton!!"

„Smile, Ashton!!“

Da, sobald wir die Firn-Sektion erreicht haben, die Verhältnisse sich zunehmend instabil anfühlen, graben wir lieber noch mal ein Schneeprofil, wobei sich der Schnee allerdings als überraschend gefestigt herausstellt, und so steigen wir noch bis knapp unter die Steilstelle auf.

Ein bisschen Training für die Arme schadet auch nicht

Ein bisschen Training für die Arme schadet auch nicht

Ullr, Ullr, wie viel Schritte darf ich gehn?

Ullr, Ullr, wie viel Schritte darf ich gehn?

The Snowsaw-Massacre

The Snowsaw-Massacre

Johanna kurz vorm Ziel

Johanna kurz vorm Ziel

Ab hier gibts dann aber die Abfahrt.
Und der Hang ist einfach geil, bis unten hin ist er mittlerweile aufgefirnt, so dass wir, ab der Lawinengrube auch dann nebeneinander, unsere Spuren als erstes in den Hang setzen dürfen.
Damn, ich liebe diesen Run!!!! Er ist und bleibt mein Favourit in Rogers Pass!

Abends, nach viel Bier und Semmelknödl (Ashton nötigt mich zwischenzeitlich zum Anziehen der Lederhose, sowohl fürs Kochen, als auch nachher zur Party) gehts dann in die Stadt, um den letzten gemeinsamen Abend noch gebührend zu feiern (ab dieser Stelle breitet sich der Mantel des Schweigens über die weiteren Ereignisse)

Alles was im Last Drop passiert, bleibt im Last Drop!

Alles was im Last Drop passiert, bleibt im Last Drop!

Während die anderen beiden am nächsten Tag Richtung Osten aufbrechen (Johanna nach Banff und Ashton zurück nach Calgary) geht für mich der Trip langsam zu Ende. Meine Ski werden noch zum Service gebracht (der kanadische Winter hatte so einige bööse Coreshots hinterlassen) und nochmal komplett mit Wachs eingeschmiert, damit sie den Sommer nicht austrocknen.
Noch so einige Leute werden die nächsten Tage verabschiedet, mein Zeug wird wieder in alle Taschen und Rucksäcke verpackt, sodass ich mich dann am Sonntag vormittag mit knapp 50kg Gepäck auf den Weg nach Vancouver mache.
Hier geht am Montag mein Flug über Toronto und Paris zurück nach München.

Hier werde ich mich in den nächsten 4 Wochen immer mal wieder aufhalten, wer also die Gelegenheit nutzen und mit mir slacklinen oder klettern gehen will, darf sich gerne melden!

Achja, und die letzte Woche hat noch mal ein bisschen Footage abgeworfen, sodass ich hier, selbst ich hätte damit nicht mehr gerechnet, sogar noch eine 5. Episode präsentieren kann:

Wir sehen uns in Deutschland,
Servus 🙂
Johannes

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2 Antworten zu “Last Week in Revelstoke

    • Thanks to you as well, Marille, I appreciate every single follower, that’s what keeps me motivated for those posts over and over again!
      It might become a bit more quiet in here for the next months/years though 🙂
      All the best to Miami!
      Johannes

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